Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 679

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Die finanziellen Beziehungen zum Staat
Date
1928-11-01
Page
Seite 679 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2912821-2912879-2912890-2922839--07280-2923001
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE FINANZIELLEN BEZIEHUNGEN ZUM STAAT 679 sich noch besonders mehrere Schwabacher Juden, die ihre Darlehen in der Hauptsache dem bayerischen Salzverlag gewährten und einige andere Untertanen jüdischen Glaubens, die da und dort mit ihrem Gelde für die augenblicklichen Verlegenheiten des Kurhauses — deren gab es genug — einsprangen, bis die gesamten Gläubigerrechte der Juden gegen den bayerischen Fiskus im Jahre 1726 auf fast öVi Millionen fL angewachsen waren, obwohl bis dahin ein allerdings bescheidener Teil der früher eingegangenen Verpflichtungen bereits getilgt worden war. Mit dem genannten Jahre traten die Juden als Geldgeber des Staates ganz plötzlich vollständig in den Hintergrund. Es ist wohl anzunehmen, daß die Thronbesteigung Karl Albrechts den Anlaß dazu gab; denn er versuchte die chaotischen Finanzen Bayerns nach Möglichkeit zu ordnen. Daß er bei dieser Neuorganisation des Schuldenwesens einen Teil der jüdischen Forderungen durch einen absolutistischen Federstrich „tilgte", sei hier nur angedeutet, während sich die Juden um den ihnen zugebilligten Rest und die daraus erwachsenden, allerdings oft übermäßigen Zinsen und Zinseszinsen Generationen hindurch mit dem bayerischen Fiskus streiten und sich immer wieder neue Reduzierungen gefallen lassen mußten, so daß sie zunächst nur mehr als Anleihegläubiger, aber nicht mehr als Anleihegeber fungierten. Dagegen warfen sich mehrere jüdische Kaufleute auf ein anderes Gebiet, um finanzielle Beziehungen zum Staate anzuknüpfen, nämlich auf die Belieferung des Heeres. Da diese teilweise Versorgung mit Heeresgut als langfristige Ziellieferungen erfolgten, kommen sie einem Warenkredit gleich und müssen hier mit in Betracht gezogen werden. Zunächst betätigten die Juden nur ganz vereinzelte Geschäfte mit der Armee, der zum Beispiel im Spanischen Erbfolgekrieg Anno 1701 der kaiserliche Hoffaktor Emanuel Oppenheimer 200 Kürassierpferde lieferte. Erst in den folgenden Dezennien zog man dann die Juden intensiver als Lieferanten heran, eben weil sie in erster Linie sich fähig zeigten, die Zahlungen länger zu stunden. So verstand es der Jude Abraham Mändl aus Kriegshaber, fast die gesamte Versorgung der bayerischen Truppen mit Pferden an sich zu reißen. Es ist selbstverständlich, daß mit der Verwicklung Bayern» in den österreichischen Erbfolgekrieg der Bedarf an Heeresmateria! sich ebenso steigerte wie der an flüssigem Kapital. Letzterer wurde hauptsächlich durch französische Subsidiengelder gedeckt, während die Befriedigung des ersteren, insbesondere an Pferdematerial, in jüdischen Händen lag. Mit der Beendigung des Krieges wurden jedoch die Lieferungen jüdischer Unternehmer wieder hinfällig und die Zeit blühender Geschäfte war wieder vorbei. Daß es für die Lieferanten ein Geschäft war, steht außer allem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.