Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Aus der Geschichte dem sozialen und kulturellen Leben der Juden in Deutschland
- Date
- 1928-11-01
- Page
- 651 (sequence 1)
- Language
- German
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AUS DER GESCHICHTE DEM SOZIALEN UND KULTURELLEN LEBEN DER JUDEN IN DEUTSCHLAND L BAYERN Paul Sundheimer / Zur Geschichte Die Geschichte der Juden in Bayern läßt sich bis in das frühe Mittelalter zurückverfolgen. Sie beginnt aller Wahrscheinlichkeit nach unter Karl dem Großen, der eine sehr umfassende Handelspolitik getrieben und damit die mögliche Basis für jüdische Einwanderung gegeben hat. Nachweisbare Spuren jüdischer Betätigung in Bayern finden sich aber erst zu Beginn des zehnten Jahrhunderts; jedoch fehlt es infolge der damaligen innerpolitischen Verhältnisse an einer einheitlichen Judengeschichte. Diese ist zersplittert in einzelne Lokalereignisse, die des großen Zusammenhanges entbehren. Jedes Fleckchen Landes wurde von einem anderen Machthaber regiert und dieser behandelte die in seinem Bereich sich aufhaltenden Juden nach eigenem Ermessen. Erst mit den Kreuzzügen entwickelte sich die Geschichte des Judentums zu einer faßbaren Einheit, hervorgerufen durch den gemeinsamen Haß der Christenheit, der sich in einer Reihe von Verfolgungen äußerte. Die Welle des Fluches gegen die Juden brandete über ganz Deutschland und erreichte ihren Höhepunkt in Bayern, wo im Jahre 1096 viele jüdische Bewohner Regensburgs teils vertrieben, teils ermordet wurden, während man den verbleibenden Rest zur Taufe zwang. Bald darauf erlöste Heinrich IV. die Juden von den allgemeinen Bedrückungen und stellte sie durch den Landfrieden von 1103 gegen Verfolgungen sicher. Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich allmählich die sog. Kammerknechtschaft, die den Juden kaiserlichen Schutz gewährleisten sollte, wofür sie aber an die Reichskammer eine jährliche Abgabe zu entrichten hatten. Dieses Judenregal war von seiten des Kaisers mit allen Rechten und Pflichten übertragbar. Das hatte zur Folge, daß die Kammerknechtschaft in Bayern keine nennenswerte Wirkung hervorrief und die PogroK;<3 oder Vertreibungen ihren Fortgang nahmen. Im Jahre 1285 war München der Schauplatz trauriger Ereignisse, zu denen das Gerücht, die Juden hätten ein Christenkind verkauft, den Auftakt bildete. Kaum ein halbes Jahrhundert später begann eine Verfolgung in Deggendorf, die sich über ganz Bayern und Oesterreich ausdehnte. In deren Verlauf wurden die Juden aus Straubing vertrieben, Landshut und