Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 640

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-11-01
Page
Seite 640 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2912821-2912879-2912890-2922820--07212-2922962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

640 MENORAH bei jenen Leuten der Fall, die schon vorher, wenn auch unbewußt, einen Tropfen vom zionistischen Gifte im Blute hatten; denn der Zionismus ist eine besondere organisch-seelische Verfassung, eine Eigenschaft, die bei anderen Völkern unter anderen Umstanden „Grenzpioniere" oder sogar Abenteurer hervorbringt: Menschen, die, den herkömmlichen Lebensstufen abhold, iür sich eine neue Stufe aufbauen wollen. Es wird eine Zeit kommen, in der die gesamte jüdische Welt dem Zionismus zustimmen, ihn vielleicht sogar unterstützen wird. Aber sogar dann werden „Zionisten" nur eine kleine Minderheit bilden, denn als Zionist wird man geboren. Der echte Zionismus ist eben nicht bloß eine Weltanschauung. Unter unseren christlichen Kollegen gab es einige begeisterte Zionsfreundc — wie z. B. den Major Hopkin, einen Walliser, der ein ausgesprochener Zionist und bei den palästinensischen Freiwilligen sehr beliebt war. Die meisten aber waren genau so wie die Mehrheit der jüdischen Offiziere: treu, korrekt und neutral. Ob es unter ihnen verborgene Antisemiten gab, weiß ich nicht. Ich gehe überhaupt mit dem Worte ,,Antisemit" sehr vorsichtig um. Gewisse jüdische, meist vom Ghetto ererbte Eigenschaften, ärgern auch uns selbst. Aber wenn sich ein Nichtjude erlaubt, sie ebenfalls zu bemerken, dann bezeichnen wir ihn schon als Judenfeind; ja noch mehr, wenn er sogar kein Wort äußert, so sind wir dessen sicher, daß er es in seinem Inneren ist. Dieses Herumstöbern in den nichtjüdisehen Seelen hat mich niemals interessiert. Einer der christlichen Offiziere hat uns zwar ganz offen seine Abneigung kundgetan, aber auch ihn werde ich nicht einen Antisemiten nennen. Das war ein gewisser Major Smoltey, der Kommandantstellvertreter des Colonel Margolin. Von ihm hatten unsere amerikanischen Boys viel auszustehen, und einmal führte seine Steifheit und Taktlosigkeit zu einem großen Unglück, auf das ich später noch zurückkommen werde. Aber ich kenne diesen Menschen auch von einer anderen Seite: ich sah ihn bei anderen Gelegenheiten und bekam von ihm einen ganz anderen Eindruck — von fairness und sogar Ritterlichkeit. Ich bin dessen sicher, daß, wenn dieser Smoltey irgendein Offizier im War-Office gewesen wäre, in einem Büro, das sieh mit den Angelegenheiten der jüdischen Legion befaßte, er uns sicher wohlwollend behandelt hätte. Aber da er in unserer Mitte war und tagtäglich mit einer Psychologie in Berührung kam, die ihm selbst so fremd war, so fand er nicht den richtigen Ton. Es ist dies dasselbe Mißgeschick wie jetzt bei vielen englischen Beamten in Palästina .... (Fortsetzung folgt)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.