Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Der Weg des Arnold Zweig
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 625 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WEG DES ARNOLD ZWEIG 625 serer Zeit des Ueberganges verdanken, wächst in einer Stadt des Ueberganges auf, in der kleinen oberschlesischen Stadt Kattowitz, wo sich seit langem zwei Nationen berührten und der Jude als Mittler zwischen ihnen erschien — bis schließlich das Diktum von Versailles der einen zum Siege verhalf. Zweig selbst legt im Gespräche über sich hier und da einen etwas grillenhaften Wert darauf, festzustellen, daß er mit Stefan Zweig, mit dem er in seinen Anfängen ,wohl öfters verwechselt wurde, durchaus nicht verwandt ist, obwohl die beiden Zweige wohl bis ins 18. Jahrhundert demselben Familienbaume angehörten. Aber der Frieden von Hubertusburg trieb den einen nach Oesterreich, den anderen nach Schlesien, der neuen preußischen Provinz; und es scheint, als ob die Umgebung der Frühzeit beider Schaffen richtunggebend beeinflußt habe. In Arnold Zweigs frühen Novellen lebt etwas von der Kargheit der Landschaft und Regsamkeit des Geistes, die unter den oberschlesischen Fabrikschornsteinen zu Hause war. Eine junge Garde begabter Schlesier wuchs damals mit ihm in denselben Mauern auf; manche von ihnen sind gefallen, manche verschollen — aber Ulitz, Meidner, auch der hochbegabte Pater Przybara, der sein Altersgenosse ist, verkörpern noch jetzt den Geist jener Jahre. Sehr bezeichnend für den oberschlesischen Juden: erst fern von der Kinderheimat erblüht ihm sein Schaffen. Münchens „südliche Landschaft" braucht er, um sein Talent zu entwickeln. Dann aber strömt es aus ihm hervor wie ein gewaltiger Strom, Im Jahre 1912 erringt der Fünfundzwanzigjährige mit seinen ,,Novellen um Claudia" seinen ersten großen buchhändlerischen Erfolg, nachdem sein Erstlingswerk, die ,, Auf Zeichnungen einer Familie Klopfer", fast unbemerkt geblieben waren. Dieser Erfolg, der sich in den nächsten Jahren fast zu einer Sensation auswuchs, gründete sich, wenn wir dem Dichter selbst glauben wollen, auf ein Mißverstehen des Werkes und seiner künstlerischen Absichten. Der stoffliche Reiz verdeckte der großen Menge der Leser das formale Geheimnis dieser virtuosen Novellen. Als Bekenntnis faßte man diesen „zerlegten Roman" auf; bestürmte den Autor um die stofflichen Grundlagen, die dahinter vermutet wurden. Und doch war das anmutige Buch nach Zweigs Absicht zuallererst eine formale Studie, eine Konstruktion von Typen, wie man sie später öfter, selten mit so viel Glück versucht hat. Claudia und ihr Partner (oder ihre Partner) sind nichts als die typischen Erscheinungsformen einer Sie und eines Er, die vor dem Kriege jung waren. Und das Geheimnis dieses verdienten Erfolges beruht neben der unleugbaren formalen