Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Von jüdischen Künstlern
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 612 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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612 M ENORA H nur in der diesjährigen „Akademieausstelhing"seine Juden ständig im Feiertagskleid, sie träumen von Festtag zu Festtag. Jank e 1 Adler, dessen malerischer Dialekt breiter und lauter ist, beschwor vor zwei Jahren Lazar SegaL—Albdruck. Jetzt in seinem Wandbild in der ,,Juryfreienu gerät er in das entgegengesetzte Extrem. Fr wurde dekorativ bis zur Kodier Parodie und seine „Salome" ist dadaistisch-komisch auf einer Grenzlinie, wo Realismus und Dekoratives den Rahmen sprengen wollen. Jakob Steinhardt entwickelt sich in der Malerei europäisch, als Graphiker bleibt er Jude. Die ,,IIumorausstellung" brachte die jüdischen Künstler überhaupt in besserer Oualilät und größerer Vollzähligkeit als man es sonst gewöhnt ist. Die Fingesten-Radierung ,,der Händler" vergißt man kaum; den Tierbliek der mächtigen Gewalt mit der Riesenhand und das Männchen mit den Hosenträgern, das diese Hand zum Pfötehengeben bringt. Fritz Feigl, der vor zwei Jahren am jüdischen Problem vStark interessiert schien, ist seither als Landsehaftler durch seine Gartenbilder xu schneller Reife gekommen. Man findet bei ihm Farbklänge wie auf Sommerbildern von Monet. Ludwig Meidner, das stärkste jüdische Temperament der deutschen Juden, erscheint auf den großen Ausstellungen seltener. In der ,,/ eich e n - a u s s t e 11 u n g der S e z e s s i o n" sah man ihn mit zwei religiösen Köpfen. Der eine wies auf Lust zur Ballade. Man kann auf Meidner auch weiterhin neugierig sein. Europäisch eingestellt, aber im Experimentieren voller Geistigkeit ist der rumänischjüdische Maler A r t h u r S e g a 1. Er ist der jetzt wahrscheinlich größte Meister in Licht und Farbentechnik. Lesser Ury-, gleichfalls längst Europäer, zählt zur jüdischen Kunst, weil er selbst es so will. Er ringt um die Mosesgestalt und in ihr um die Darstellung des jüdischen Menschen. Aber er ist Impressionist, der Moses gelang ihm noch nicht; doch der Westjude in seiner Kultur der Assimilation und der Tragik dieser Kultur personifiziert sich in diesem Ringen. Lesser Ury sah man in der „Frühjahrsausstellung der »Sezession" mit Gemälden und in einer eigenen Ausstellung in der Kunstkammer Wasservogel in der Leipziger Straße. Ebendort sah man auch Minie o w s k v , den jüdischen Realisten, den Juden, der die Manettradition in der figürlichen Gestaltung fortsetzt, der jüdisches Schicksal auf allgemeinhistorische Kartons brachte in Meisterbildern, aus denen die Menschen mit jüdischen Augen schauen und mit jüdischem Leid, in denen aber eins fehlt, die jüdische Gasse; all das Laute, das Rhythmische, der Tanz, alles, das Bareynsky hat und der junge Kirschenbaum, der dieses Jahr der Berliner Saison .fernblieb. Ohne die Düsseldorfer ist die Berliner Saison nicht vollständig. Um J a n ■ kel Adler oder indirekt durch ihn scheint sich in Düsseldorf eine kleine jüdische Kunstgemeinde zu bilden. Vor vier Jahren kam mit Gert Wollheim der ebenfalls junge Karl Sehwcsig und dieses Jahr — in die „Juryfreie" kommen sie verstärkt — auch die andern Düsseldorfer, durchweg mit prachtvoller Leistung. Berlin ist Durchgangsstation von Osten nach dem Westen und Sammelpunkt der Kunst aus dem Reich, daher der immer größer werdende Ueberblick. Wien, Prag, der Süden und Rußland sehen in die Fenster. Der Wiener Süss mann scheint bei weitem mehr jüdischer Maler als der Prager Feigl und der Russe N. Simon wiederum, ist das merkwürdige Ghettogemisch, das Polen und Rußland vereint hervorgebracht haben: Zivilisierte Impression, konstruktivistische Rauheit und dazwischen der eigene Ton in den Frauen und Mädchenbildern. Bei der offiziellen russischen Kunstgruppe kennzeichnet sich D a - v i d S c h t e r e n berg durch den kompositioneilen Expressionismus als Jude. Es weht wieder ein frischer Wind im Berliner Kunstleben. Die Individualitäten wachsen farbig durcheinander, sie können sich ausbreiten; den Schliff Paris holt sich doch jeder, der von der Linie besessen ist. Ruth Morold.