Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Von jüdischen Künstlern
- Date
- 1928-11-01
- Page
- 611 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VON JÜDISCHEN KÜNSTLERN Parallel mit der deutschen. Kunstsaison geht in Berlin seit den letzten drei Jahren die schon fast zur Selbstverständlichkeit gewordene Saison der jüdischen Kunst. Sit begann damit, daß die jüdischen Motive, die ursprünglich nur mit den Namen Steinhardt, Budko, Fingesten verknüpft waren, fast plötzlich in bisher nicht beobachteter Menge überall erschienen. Es sei gebührend anerkannt, daß dem Scholem Aleehemklub an dieser Entwicklung ein nicht geringer Anteil zukommt. Das Registrieren seiner Künstler erleichterte das Eingewöhnen. Die jüdische Kunstsaison in Berlin ist bereits heute zur feststehenden Einrichtung geworden und in diesem Jahr sehen wir sogar noch mehr neue Gäste als seit langem. In der Ausstellung ,,Humor in der Malerei", veranstaltet von S. Margulies in den Räumen der Sezession begrüßen wir den Wiener Maler Sussmann und den begabten russischen Maler N. S i m o n in der gleichzeitig eröffneten Juryfreien Kunstschau. Nach den Bilderproben, die von Pariser jüdischen und nichtjüdischen Malern nach Berlin kommen, kann man schon heute etwas für beide Städte Gültiges feststellen. Von Rudolf Levy bis Rudolf Jacoby von Chagall bis Max Band läßt sich eins nicht verhehlen: Paris schleift schnell ab und Berlin ist dem Bewahren und Entwickeln der Individualität bedeutend günstiger. Paris war ehemals der Anstoß, der Geist, die Lösung, Berlin ist dem langsamen Reifen günstiger, der Entwicklung in die Breite. Ich denke an Barcynskys klobig mächtige Dorfidylle, dichterisch, träumerisch, in hellen gebrochenen Flächen, der Kehllaut der Sprache ist als persönlicher Ausdruck beibehalten. Ob das Paris nicht abgeschliffen hätte? Bei Barcynsky vielleicht doch; denn wie die Juryfreie Ausstellung zeigt, hat sogar Berlin an ihm gemodelt zu merkwürdigem und unerwartetem Ergebnis. Eine abseitige Romantik blickt aus seiner Landschaft. Eine könnte man nach Weimar datieren als Wielandillustration. In der ,JIumor Ausstellung" der Sezession tobt er jüdisch-russische Groteske aus. Die personifizierten Esrogim, der mit den Lulowbündeln schnell dahinschrcitendc Mann sind ungebrochen östlich mit Substanz und tragfähigem Gefühl, der echte Barcynsky. Ebenso stark, aber noch vom ersten Pariser Aufenthalt abgeschliffener, ist Kul - viansky. In Paris wurde aus dem russisch - jüdischen Plastiker mit deutschgotischem Einschlag der jüdische Künstler. Die Möglichkeit ,,jüdische Kunst" datiert seit damals. Marek Schwarz, der gleichfalls in der letzten ,,Juryfreien" drei seiner bekannten Metallreliefs ausstellt, gehörte mit Kuh viansky zu denen, die Chagalls ersten Anstoß weiter trugen. In Berlin wurde Kulviansky zum Maler. Als ich ihn kennenlernte, steckte er mitten im Experiment. Aus dem jüdischen Tischlerssohn, der die Werkstatt und Heim des jüdischen Tisch lers" malte, mit Naturholz, Stall, Müdigkeit, Arbeit, wurde mit weit ausladendem Humor und vollendeter Technik das mächtige Porträt des dicken Mannes. Poliert ist das Holz des Bodens, poliert die feisten Dimensionen, die Platte mit den Speisen, das Polstergesicht, die großen geschwungenen Linien. In der ,,Humorausstellung" wie in der „großen Berliner" bracht es ,,dieser Kuiviansky" zu einer sehr beachtlichen Aufmerksamkeit. Ernest Neu schul versprach ähnliches vor drei Jahren, damals mit unfertigen Akten in wundervollem Wurf. Jetzt in der Jury freien zeigt Hans F e i b u s c h ein ungeschicktes aber vielversprechendes Aktbild; „der Gratulant" daneben ist sehr reif, sehr satt in den Farben, jung gefühlt mit viel malerischem Können. Ncuschul ist heute Romantiker, als wäre er aus Paris. Sein Erntebild ist abseitig, in vornehmem Graublau, Melodie liegt darin, Weichheit, es ist mit ästhetischen Fingerspitzen gemalt. Da er ungleich genug ist, schlägt sein jüdisches Temperament vielleicht beim nächsten Bilde durch. Budko malt nicht