Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Zur jüdischen Volkskunde
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 606 (sequence 4)
- Language
- German
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606 M E N O R A II Im Orient, wie im Okzident werden leblose Dinge, in unserem Falle die Wand und der Ol'en, als lebende Individuen vorgestellt. Wie die Orientalen, so haben auch die Griechen in ihrer Phantasie das Unbelebte belebt. „Die vermenschlichende Auffassung der Welt vollzieht sich im Kindesalter der Menschheit.....mit ganz unbefangener Naivität. Für den Menschen der Urzeit ist also tatsächlich »lies, was er sieht und hört, voll wirklichen Lebens" 1\ So erklärt es sich, daß die kriminelle Verantwortlichkeit auch auf Tiere und leblose Gegenstande ausgedehnt wird11'. Wenn die Rechtsordnung noch auf höherer Kulturstufe daran festhält, daß Strafverfahren und Urteilsvollstreckung gegen Tiere und leblose Dinge stattfinden, so wird man das vom Standpunkte rationellen Denkens allerdings als eine bedauerliche Verirrung des menschlichen Geistes betrachten müssen. ir') -J e r ti s a 1 e in, (iedanken und Denker, N. I. (Wien 1925} S. 113. Siehe außer der bei Aplow ilzer zil. 1,ileralur iiuch Maver, Geschichte der StralYechtc ( liier 1U7<>) S. 143, KJat'l'., «51 f., Ü82 (daselbst auch dm mosaische Hecht beh;mdelt). S z a n t o , Archäolo^iscli-cmitiapliische Mitteilungen aus ()esterrcich-l n^arn. NX. S. 7) ff. Ausgewählte Abhandlungen S. 114 11'.' BIBLKXiKAPHIK M. WEINBERG: GESCH. DER JUDEN IN DER OBERPFALZ. IV. Sulzburg, V. Herzogtum Sulzbach. (Schriften der Hist. Kommission des Verbandes der bayer. isr. Gemeinden.) München 1925, Ewer-Buchhandlung. Die verdienstvollen Arbeiten W.s auf dem Gebiete dieser Territorialgeschichte finden in den vorliegenden Heften eine würdige Fortsetzung. Wir erfahren wieder manches, was für die allgemeine jüdische Kulturgeschichte, auch einiges, was für die Geschichte der Wiener Juden von Belang ist. Sie hatten bis 1870 in Salzburg, woher übrigens die Familie des bekannten New Yorker Richters Mayer Sulzberger stammt, während cles protestantischen Gottesdienstes an Sonn- und Feiertagen die menschenleeren Wohnungen zu überwachen und vor Landstreichern zu schützen. Bis 1867 wurde, wie auch anderw ärts, von jeder Mitgift 1 0 o an die Zcdakakasse der Gemeinde geliefert. In Sulzbaeh durften die Juden u. a. nach Bedarf Häuser bauen, doch nur mit Genehmigung des Rates, da sie sonst mehr Rechte als die Christen hätten. Wir sehen hier wie Wiener Flüchtlinge 1(370 Aufnahme finden und können die weiteren Schiksalc von Nachkommen des bekannten Koppel Frankel verfolgen. Auch über die König (Königsberger) und die Familie des Wiener Rabbiner Löser llorowitz erfahren wir einiges. Die Frauen hielten es für ein besonders verdienstvolles Werk, die Synagoge selbst zu kehren, wofür, um Streitigkeiten zu vermeiden, eine Kehrordnung eingeführt wurde. Auch von Friedhofsschändungen ist vereinzelt die Rede, die aber von der Behörde gewissenhaft geahndet wurden. In allzu weitgehender Fürsorge empfiehlt das Landgericht Sulzhach 1831 Abschaffung des Fastens am Verj-.ö'mungslage und Einschränkung cles Laubhüttcni'estes mit seinem gesundheitsschädlichen Essen unter freiem Himmel. G. IL DINGLER: DIE KULTUR DER JUDEN. Aus demselben Verlag. Was die Bibel mit der Scheidung zwischen gut und böse und mit der besonders in den Psalmen (z. B. Psalm 1) hervortretenden Liebe zum Gesetze für die sittliche Erkenntnis geleistet hat, wird hier vortrefflich beleuchtet. Die von der jüdischen Ethik hergestellte Harmonie zwischen dem inneren Drange des Mensclien und den Einwirkungen des ernsteren Schicksales ermöglicht wirklich, um mit dem Verfasser zu reden, die Versöhnung zwischen Religion und Wissenschaft. G. E. M. DREIFUSS: DIE FAMILIENNAMEN DER JUDEN. J. Kaulfmann. Frankfurt a. M. 1927. Wenn hier auch hauptsächlich nur die Verhältnisse in Baden zu Anfang des 19.