Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Zur jüdischen Volkskunde
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 604 (sequence 2)
- Language
- German
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604 MENORAU gespalme, das Zeichen, daß Israel aus dem Kample, den es am Neujahrs- und Yersühnungstage gegen seine Ankläger, die Völker und den Satan führen mußte, siegreich hervorgegangen ist." .... „Der Vorbeter wird zum.....Vorbeten aufgefordert . . mit den Worten: Komm und kämpfe, führe unsere Kämpfe, .... führe unsere Kriege11)" .....,,Der Vorbeter ist ein Vorkämpfer, besonders Neujahr und Sühnetag; daher heißt es von den Vorbetern: „sie treten heran, um gegen den Feinu..... zu kämpfen". Auch im Islam findet sich die gleiche Vorstellung1); sie tritt zutage in der Bezeichnung des Gebctsortes und in den liturgischen Paramenten, die beim Gottesdienst verwendet werden. Das Wort, das zur Bezeichnung der ,,Gebetnische" gebraucht wird, bedeutet im gewöhnlichen Sprachgebrauch soviel wie das „Schlachtfeld" und der Liturg hält — im Einklang mit dieser Anschauung — einen Stab, eine Lanze oder einen Bogen in der Hand; findet der Gottesdienst nicht in geschlossenem Räume statt, so wird vor dem Liturgen oder der Privatperson, die ihre Andacht verrichtet, eine Lanze in den Boden eingelassen. Auch das wird von der islamitischen Theologie mit der Vorstellung, daß das Gebet ein Kampf sei, in Zusammenhang gebracht: es soll auf diese Weise jede Störung, die geeignet wäre, die Giltigkeit der religiösen Handlung in Frage zu stellen, verhindert werden. Eine Erinnerung an diese V o r - s t e 1 1 u n g , d a ß d a s G e b e t a u c h ei n K a in p f s e i , h a t s i c h n och heute i n d e r kath o1i s che n Kirche e r h a1 - t c n. Zur Kultkleidung des Priesters gehört das Humerale (auch umietus genannt), mit welchem der Liturg Hals und Schultern, im Mittelalter auch das Haupt, bedeckt. Beim Anlegen des liturgischen Gewandes spricht der Geistliche die Worte: Imp o n e Domiiic c a j> i t i m c o g a 1 e a ni s a1u t i s ad e x p u gra n d o s d i a b o - licos incui'sus. „Setze, o Herr, den Helm des Heils auf mein Haupt zur Ueberwindung der Angriffe des Satans'). Aus der Zeit, in der es noch üblich war, das Haupt mit dem amictus zu bedecken'*), hat sich die Auffassung erhalten, nach der dieses Parament ,,die Eingezogenheit im Sehen und Reden, die Unzugänglichkeit des Priesters für alles, was sich für das .... Opfer nicht ziemt," symbolisiert. Auch im heidnisch-römischen Kult gehört es zum Ritus, daß der Priester mit verhülltem Haupte (v c l a t o c a p i t e) die Opferhandlung vornimmt7) und gewiß ist auch hier die Anschauung maßgebend, daß er nicht durch äußere Eindrücke in der rituellen Handlung gestört werden soll; viel näher als eine Entlehnung aus heidnischem Brauch liegt jedoch der Gedanke, daß der amictus und die früher übliche Art ihn zu tragen, aus dem jüdischen Zeremonialgesetz stammt und damit auch die Symbolisierung auf jüdische Anschauung zurückgeht^). 2. Alle Rechtsordnung ist in ihren Anfängen von dem Grundsatz beherrscht, daß nicht der Wille gilt, sondern das Wort, oder, wie man es auch anders ausdrücken :!) S. auch K r a u s s , Svnagogale Altertümer (Berlin 1922) S. 97. l) Aptowity.er a. a. 0. und diedort zitierte Literatur. ) S c h ü c h - G r i m in ich, ] Iandb ueh der Pastoraltheologie " (Innsbruck 10U9) S 389. y S e Ii ii c Ii - G r i ni m i e h a. a. 0. S. 390. ~) M a r q ii a r d t - \V i s s o \v a , Römische Staatsverwaltung III- (Leipzig llJiS">) S. 176. Siehe z. 13 «Ich ,,Verhüllten'' auf dem Relief der ara Pacis (dazu R e i s c h im Hormannhcft dex Wiener Studien [1922] S. 42f> IT). N) Ii ouk. Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters I (Bonn 1859 ) S. 324 Ct. weist nach, daß die Gewänder und Ornatstüeke der Priester des alten Hundes als Grundlage zu betrachten sind, auf welcher teilweise der Zalil, der Form und stofflichen Reschal'fenheil nach die gottesdiensll iehen Gewänder des neiu'ii Hundes sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums entwickelt und gestaltet haben'' (daselbst über das „SchuHcrge-wand" S. 3154 IT.). Line ähnliche Ansieht vertritt Otte, Handbuch der kirchlichen Kunsturchüologie des deutschen Mittelalters [■"• (Leipzig 1Ü33) S. 2(57": „Das Kennzeichnende ist, daß der allgemeinen Rückbildung; des christlichen Priestertums in das alücstamentliclie Schatten, bild entsprechend auch für die priesterliche Gewandüng die /"crem onial Vorschriften des mosaischen Gesetzes vorbildlich und maßgebend wurden". Nach einer Vermutung von S w o b o <l a , Mitteilung an die Mitglieder der Lcogescll schaft IH93 n. 9, soll sieh die liturgische Kleidung, die der Geistliche bei der Messe trägt, im Anschluß an Lxod. 12, 11 entwickelt und diese Vorschrift auch auf die Vorsteb hingen und (Einrichtungen, des Islam eingewirkt haben. (Ebenso Vortrag auf dem Wiener eucharistischen Kongreß 1912).