Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 600 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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600 MENORAH mal solche Dimensionen an, als wäre er eine Verletzung der nationalen Ehre. Ein Schuß aus einem arabischen Dorfe, der niemand verletzte — eine Gefahr für das jüdische Volk. Es ist eine bekannte Tatsache: es ist leichter taktvoll zu sein, wenn man gleichgültig empfindet, als das Gleichgewicht zu halten, wenn man etwas sehr liebt. Darum sind meine Bemerkungen kein Vorwurf; aber über Tatsachen kann man nicht hinweggehen. Am schwierigsten ging es mit dem anderen Teil der palästinensischen Freiwilligen, nämlich mit denjenigen, die selbst in einem orientalischen Milieu aufgewachsen waren. Diese waren dem Araber nicht einmal feindlich gesinnt, im Gegenteil, sie standen mit ihm auf gutem Fuße, verkehrten mit ihm freundschaftlich und sprachen seine Sprache wie er selbst. Und gerade das führte zu den meisten und unangenehmsten Konflikten. Iiier ein typisches Beispiel für derartige Händel: ein Soldat dieser Kategorie kommt auf Urlaub und begegnet einem bekannten Araber. Man begrüßt einander, küßt sich sogar, wie es im Oriente Sitte ist, geht in ein Cafe, trinkt, spielt Karten, neckt sich ein wenig, wie es unter Freunden geschieht, man geht darin ein bißchen zu weit, und das Ende ist eine Rauferei. Oder was noch öfters passiert: ein Fall den ich bereits zweimal erwähnte — ein betrunkener Araber ruft auf der Straße ein Schimpfwort zu. Sogar bei den hitzigsten amerikanischen Zionisten ist noch die Hoffnung vorhanden, daß er es nicht verstanden hat, weil es arabisch war. Aber diese Eeute verstehen arabisch, und was noch schlimmer ist: sie können in derselben Sprache antworten. Das arabische Schimpfworte-Lexikon ist ungeheuer reichhaltig und enthält alle Grade. Aber der höchste Grad ist zuguterletzt doch das alte Ohrieigenesperanto. Vielen wird diese meine Betrachtung unerwartet klingen: man liebt es doch bei uns, sehr viel davon zu sprechen, der Jischuw müsse ,,Annäherung" an die eingeborene arabische Bevölkerung suchen, müsse sich in ihre Umgebung einfühlen usw. und es würde dann Friede herrschen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich schreibe hier keine Publizistik, ich erzähle bloß, w7as ich sah: je stärker die ,,Annäherung", desto schlimmer für den Frieden. Und vielleicht wurde das nicht bloß in Palästina beobachtet und nicht bloß in bezug auf die Verhandlungen in der Bataillonskanzlei in Sachen I 3429 Private Sevigliano Aminadob, der den Schuhputzer Abdullah beim Jaffator in Jerusalem geschlagen hat. — Vorsicht meine Herren . . . (Fortsetzung folgt)