Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 595 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912889-2922679--07134-2922771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VOM NIL ZUM JORDAN 595 Truppe ganz anders als einer farbigen. Zur indischen Mannschaft haben sie bloß bis zu einer gewissen Grenze Vertrauen. Die Grenze kann am besten darin gesehen werden, daß in den indischen Regimentern alle wirklichen Offiziere, bis zu den Secondleutnants, ausschließlich Europäer sind. Den Hindus werden besondere Chargen wie „Dsehcmadar" und „Subadar" verliehen, aber sie erhalten keinen Offiziersrang. Wie ich hörte, soü sich das jetzt zum Teil geändert haben, aber in den Jahren 1919 und 1920 war es noch nicht der Fall. Für vollwertig hielt man bloß die weißen Truppen. Und wie im Kriege, so bildet auch im Besatzungsdienst die Infanterie den Hauptschutz, und die weiße Infanterie bestand, wenn ich nicht irre, nahezu zur Hälfte aus Juden. Und es kam eine Zeit, da dieses Verhältnis sich noch weiter vorschob. Es war, wie bereits erwähnt, eine kritische Periode für die Stellung Englands im nahen Osten. Im Frühjahr 1919 brachen in ganz Aegypten schwere Unruhen aus. Fast alle weißen Truppen, Infanterie und Kavallerie wurden damals von Palästina nach Aegypten dirigiert. Außer indischen Truppen und einem englischen Bataillon in Jerusalem verblieben in unserem Fände, soviel bekannt ist, bloß die 5000 jüdischen Soldaten. Die Unruhen in Aegypten dauerten zwei Monate. In diesen zwei Monaten lebte die arabische Bevölkerung Palästinas in beständiger Aufregung. Täglich fanden bei ihnen die wildesten Gerüchte Verbreitung: die Engländer hätten eine Niederlage erlitten, Allenby sei getötet worden, die Nationalisten hätten Kairo erobert, Arabi Pascha (ein ägyptischer Nationalheld) sei aus dem Grabe auferstanden — und so ging es bis ins Unendliche. Jeden Tag pflegten sich mit der Eisenbahn, auf Pferden oder zu Fuß, Agitatoren nach Palästina einzuschleichen, die weiß Gott wer geschickt und bezahlt hatte, breiteten* sich über die Städte, Städtchen und Dörfer aus, hielten aufreizende Agitationsreden in jedem Cafe, zuweilen auch in Moscheen, und hetzten die arabische Bevölkerung gegen England und die Juden auf. Das war in der Tat eine gefährliche Zeit. Selbst die englischen Gouverneure schüttelten besorgt das Haupt und berieten mit uns (ich war damals Mitglied des Waad Haazirim) wegen der schwachen Besatzung Palästinas. Sie rekrutierte sich überdies aus indischen Truppen, zum größten Teil Mohammedanern, die über das Schicksal Konstantinopels und die dem Kalifate zugefügte Demütigung empört waren.