Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-09-01
- Page
- 523 (sequence 1)
- Language
- German
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VOM NIL ZUM JORDAN Erinnerungen aus dem Weltkriege von Wl. Jabotinsky Nachdruck, auch auszugsweise, verboten — Copyright 1928 by Wl. Jabotinsky, Paris Autorisierte Übersetzung: aus dem Jiddischen (7. Fortsetzung) XII. Die Stellung im Jordantale — Alhnlys Vertrauen auf die jüdischen Bataillone — Die Offensive leginnt Nach einem Monat an der Front von Sichern und zwei Wochen Rast, ging es in die Jordanebene. Das war Anfang Augusl. Wir verblieben dort fünf Wochen, dann kam die große Offensive. Wieder zwei Wochen Marsch in der heißesten Gegend des Mittelmeeres. Ich möchte das dem Leser begreiflich machen. Die Jordanebene bei Jericho und das Tote Meer gehören zu den tiefsten Stellen, die es auf der Erde gibt. Sie liegen nahezu 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Im allgemeinen ist das palästinensische Klima ein subtropisches; in den höher gelegenen Teilen, besonders in Jerusalem und Safed, ist der Winter sogar ziemlich kalt. Im Jahre 1920 war Jerusalem drei Tage mit Schnee bedeckt — einen schöneren Schneefall hatte ich nicht einmal in Petersburg erlebt. Aber das Klima des Jordantales bei Jericho ist kein tropisches, es gilt als äquatoriales. Der Unterschied ist gewaltig. Zur Zeit da Jerusalem im Schnee lag, blühten die Rosen in Jericho — und von Jericho nach Jerusalem sind es fünfviertel Stunden mit dem Automobil. Im Sommer ist es die reinste Hölle. In einer Stadt, wie Jericho, ist es noch erträglich, da man sich von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends in einer ,,blinden" arabischen Stube verstecken kann, die keine Fenster und kaum eine Tür hat. Aber draußen ist die Hölle. Selbst die Beduinen ziehen für diese zwei Monate — von Mitte Juli bis Mitte September — fort. Gerade jene Zeit verbrachten unsere Soldaten in der „Mellacha", unweit von Jericho und vom Toten Meer, und wenn ihr wollt, nahe von So dorn und Gomorrha. Patterson berichtet in seinem Buche, daß man dort im Sommer andere w eiße Regimenter (außer Kavallerie) nie länger als ein paar Wochen in Stellung ließ. Auch ich hörte davon. Ich nahm es dem Generalstab nicht übel, daß man gerade uns dort fast zwei Monate zurückbehielt. Und ich glaube, daß weder die Londoner noch unsere amerikanischen Soldaten (Colonel Margolm brachte dorthin zwei seiner Kompagnien, die meist aus Amerikanern bestanden) es heute bereuen, im Jordantal gekämpft zu haben. Aber alte, erfahrene Offiziere,