Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Die Ausmalung der Bruchsaler Synagoge
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 502 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912888-2922517--06972-2922594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
502 MENORAH trast zwischen Lichtquelle und Bemalung einen ungewöhnlichen Reiz ausübt. Wie ein textiles Erzeugnis breitet sich über der Mitte des Raumes die farbig reich behandelte Bedachung aus, und ohne daß Einzelheiten ablenkend hervortreten, wirkt diese vielfigurige Schöpfung als ganzer Wurf. So glücklich, wie der Künstler gerade hier vorgegangen ist, so hat er es auch verstanden, die hebräischen Anschriften den Gegebenheiten des Raumes unterzuordnen. Die Schriftzeichen selber hätte er allerdings nicht aus vierter oder fünfter Hand nehmen sollen, denn damit sind ihm neben zahlreichen historizistischen Verrenkungen auch ganz sachliche Divergenzen mit dem Zeitgeist unterlaufen. Die Anordnung der Schrift aber und die Auswahl der Verse müssen als durchaus geglückt bezeichnet werden» und ihre Einfügung, sei es als Schrifttafel, sei es als Schriftband, immer jedoch in Verfolgung der architektonisch gegebenen Richtungen, müssen als mustergültig bezeichnet werden. Die Kaseinfarben sind auf der Decke im Grundton blau, auf den seitlichen Bögen rot, in den. kleinen Kuppeln grünlich gehalten, die Nische der Ostwand zeigt Gold auf blaugrünem Grund. Die Schriftzeichen ruhen auf dem hellen Fond und die zum Teil glücklicherweise durch Veränderungen etwas modernisierten Gurte und Träger sind mit unauffälligen Komplementärfarben gedeckt. Es wäre außerordentlich erwünscht gewesen, daß bei der Renovation auch die an sich zentrale Anlage durch eine Zentralisierung des Gestühls und durch die Mittelstellung des Almemors ergänzt worden wäre, doch ist die Zusammenfassung nur durch den Anstrich, der mit dem der Wände und Säulen zusammengeht, von Leo Kahn angedeutet worden. Mindestens hat die Estrade, auf der absolut gegen den Sinn des Gebäudes Vorbeterpult und Alrnemor zusammengedrängt blieben, eine durchgreifende Veränderung erfahren. Das abschließende Gitter mit der darin eingebauten Kanzel ist zusammen mit den flankierenden Kandelabern aus Schmiedeeisen neu erstellt. Daß Bruchsal dazu Benno Elkan herangezogen hat, wird immer ein Ruhmesblatt in der Geschichte dieser Gemeinde bleiben. Gerade an dem kleinen Beispiel hat Elkan wieder deutlich gemacht, daß nichts zu gering ist, als daß es nicht zu einem Kunstwerk gestaltet und damit zum Hauptstück werden könnte. Auch durch die Beleuchtungskörper, Schalen aus karrarischem Marmor, hat Prof. Fritz Spannagel zum Gelingen des Ganzen wesentlich beigetragen. Größere Gemeinden könnten sich an Bruchsal ein Vorbild nehmen, gerade für die Synagogen die bedeutendsten jüdischen Künstler der Zeit zu berufen. Es ist bekannt, daß es weniger auf die Meinung der führenden Köpfe im Rate der Gemeinden als auf die künstlerischen Fähigkeiten der ausführenden Meister ankommt, soll wirklich das Beste geschaffen werden, was möglich ist. Aber neben dem Heranziehen namhafter Künstler müßte auch immer die Befreiung von unnützer oder gar sinnwidriger Bevormundung erfolgen, die zuweilen und gerade in großen Gemeinden auch dem Willigsten den Mut zur Tat nehmen muß. Von unseren Künstlern Raimund Kanelba, Willy Eisenschitz, die Maler, und Ludwig Schwerin der Graphiker, haben trotz der Verschiedenheit ihrer Herkunft, trotz der Verschiedenheit ihres Temperaments und trotz des unterschiedlichen Entwicklungsganges eines gemeinsam: sie gehören zu den Künstlern, die entgegen den Strömungen der letzten Jahre, nicht der Spekulation in der Kunst verfallen sind, sondern dem Primären in der Malerei, dem Gefühlsmäßigen treu geblieben sind. Raimund Kanelba ist aus Warschau gebürtig, arbeitet seit einigen Jahren in Paris und hat bereits mit seinen Arbeiten auf den großen Ausstellungen Aufmerksamkeit erregt. Willy Eisenschütz, ein gebürtiger Wiener, lebt seit vielen Jahren in Frankreich. Seine schönen Landschaften aus dem Süden Frankreichs werden den Besuchern der Pariser Salons nicht fremd sein. Ludwig Schwerin, aus München, zeigt in den Holzschnitten, welche er unter dem starken Eindruck des Theaters Habima geschaffen hat, die intensive Erfassung des Ausdrucks und der ausdrucksvollen Bewegung. N. —.