Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Die Ausmalung der Bruchsaler Synagoge
- Date
- 1928-09-01
- Page
- 501 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Ausmalung der Von E. Daß eine im Jahre 1881 erbaute Syn* agoge durch eine gründliche Umgestaltung des Innenraumes den modernen künstlerischen Anforderungen entsprechend hergerichtet werden könnte, erscheint auf den ersten Blick mehr als zweifelhaft. Daß dieses Unternehmen als restlos gelungen bezeichnet werden muß, läßt einen weilgehenden Schluß auf die Bedeutung der Ausmalung zu, die man seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts in immer weitgehender Weise außer acht gelassen hat. Nicht ganz ohne innere Anteilnahme kann der Autor darauf hinweisen, daß durch seine Arbeiten über die synagogalen Wand- und Deckenmalereien und ganz besonders über diejenigen, die Eliäser Sußmann in Franken ausführte, eine grundsätzliche Wandlung in der Beurteilung dieses wichtigen künstlerischen Moments eingetreten ist. Wer hätte noch vor zehn Jahren geglaubt, daß eine jüdische Gemeinde und noch dazu die einer kleinen Mittelstadt ein so unerhörtes Unternehmen wagen würde, wie es Bruchsal getan hat. Man mag über den Wert der historischen Arbeilen und ganz besonders über ihre Wichtigkeit für den schaffenden Künstler streiten, das heutige Judentum wird nicht ganz ohne jegliche Anknüpfung an eine schon 200 Jahre unterbrochene Kunsttradition auskommen können. Jeder Versuch, aus dem Nichts eine jüdische Kunst schaffen zu wollen, wie dies zum Beispiel der Bezalel in Jerusalem unternommen hat, muß von vornherein zum Tode verurteilt sein, weil die Inhalte unterdessen verloren gegangen sind, und die Möglichkeit der Veranschaulichung jüdischen Geisteslebens abhanden gekommen ist. Jede Kunst bedarf der Inhalte, die nur durch die Tradition fortgeerbt werden können, und sie bedarf in gewisser Weise der Vorbilder, um sich durch diese anregen zu lassen. Daß damit einer historischen Epigonie das Wort nicht geredet werden soll und nicht geredet Bruchsaler Synagoge Toeplitz werden kann, entspringt schon der wissenschaftlichen Erkenntnis, die genau weiß, daß die Kunsttradition sich immer in der Sprache der Zeit ausdrücken muß, um verstanden zu werden. Gerade hier liegt die entscheidende Tat des für Bruchsal tätigen Künstlers, des Malers Leo Kahn, der in wirklich ausgezeichneter Weise Technik und Geist der Gegenwart beherrscht, und diese mit der für uns in Deutschland jedenfalls mit dem Namen Sußmann verknüpften Tradition zu verbinden wußte. Der Künstler gibt selber zu, daß er sich an die Malereien in Bechhofen, Horb und Kirchheim angelehnt hat, und daß er in ihnen auch den Wegweiser gesehen hat, der ihm bei der Bewältigung neuartiger Probleme zur Seite stehen konnte. Das fertige Werk aber enthält eine so eigenartige Note, daß eigentlich nur der geschulte Fachmann die Zusammenhänge mit der Vergangenheit feststellen kann. Die Synagoge, ein dreischiffiger Bau, in der Mitte von einer Kuppel überwölbt, bot in dieser und in den Bögen, die sie an allen vier Seilen umgeben, reichlich Platz zur Bemalung. Auch die vier kleineren Kuppeln an den Seiten und die ganze Ostwand nebst den sie flankierenden Wänden und dem darüber liegenden Bogen sind von der Bemalung überzogen. Über dem Thoraschrank in der Nische sieht man den Blick auf Jerusalem, der durch starke Vergoldung eine Aufhellung der dunklen Ostwand und eine Überhöhung des für den Raum zu kleinen Thoraschranks ermöglichte. Tektonisch, wie diese Bemalung sich den Gegebenheiten des vorhandenen Raumes anschließt, hat der Künstler auch die übrigen Stellen behandelt. In die Mitte jedes Bogens legte er einen Schriftkreis mit eingestreuten symbolischen Bildern, das übrige ist mit Rankenwerk, in dem verschiedene Tiere nisten, überzogen. In dieser Art hat er auch die Kuppel bemalt, deren Oberlicht den Schriftkreis ersetzt und so gerade durch den Kon-