Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Renaissancemenschen und Juden
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 434 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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434 MENO R A H von der traditionellen christlichen Auffassung der Vulgata immer mehr ab und begann den Bibeltext mit eigenen Augen anzusehen. Wir glauben diesen Exkurs nicht besser schließen zu können als mit den schönen Worten, in denen Wieland Reuchlins Verdienst gefeiert hat: „Reuchlin sprach das Machtwort: ,Komme herauf, Toter.* Der Tote kam, wie er war, mit den Grabtüchern der Kabbala. Das zweite, ungleich leichtere Wort war: ,Lasset ihn gehen.6 Das sprachen Reuchlins Nachfolger." Kamßf an der Grenze! Es gibt noch Juden, die einfach Juden sind. Die an jeden Juden glauben. Die den Funsen Jüdischkeit lieben in dem letzten jüdischen Menschen. — Es gibt noch Juden, die einfach Juden sind. Ich mochte diese Menschen küssen; ich möchte zu ihren Augen sprechen, wie ein Landstreicher zu einem Kinde spricht, das ihm ein Stückchen Brot schenkt für seinen Weg: Ihr könnt uns helfen, ihr lieben, gütigen Kinder, weil ihr so groß seid, weil ihr die Sterne greifen wollt mit euren Händen, weil ihr ein Herz habt zum Versehenden. Seht uns an! Wir sind falsch und herzlos, wie unsere Welt und k< wie der Ehrgeiz, der uns vorwärts treibt. — Wo wit Prinzipien haben, erstarren wir zu Prinzipien, wo wir Unrecht sehen, schweigen wir, denn wir glauben an die Macht und das Geld und sind in Blut getaucht, wie alle die anderen. Unsere Kinder sind noch gut und rein — heute und morgen. Schützt sie vor dieser Welt Ihr könnt es! Unsere Kinder sind der Strom eures Blutes; panzert seine Dämme! Juden sollen unsere Kinder bleiben mit jüdischen Seelen. Juden mit jüdischem Geiste! Seht ihr nicht, welche Ehen geschlossen werden Tag für Tag? Wie jüdische Männer eure jüdischen Schwestern verschmähen? Wie die Mischehen jüdisches Blut zersetzen vor euren Augen? Wir sind zerfallen in uns und wüten gegen uns. — Ihr müßt für uns kämpfen! Dort an der Grenze, — fern vom Streit der Parteien: Kämpfen um das Blut unseres Volkes, das die Jahrtausende überwand bk heute* das ihr liebt mit jeder Faser. Euer Kampf geht ums Blut! Öffnet die Brust, eh jüdische Seelen zertreten werden! Tragt euer Herz voran!----Vorwärts! Hans JFrani.