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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 432

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Renaissancemenschen und Juden
Date
1928-08-01
Page
Seite 432 (sequence 10)
Language
German
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432 MENORAH singt er das Lob der hebräischen Sprache: Die Sprache der Hebräer ist einfach, unverdorben, heilig, kurz und fest, in welcher Gott mit den Menschen wie ein Freund mit Freunden spricht. Sein Buch „de cabbalistica arte" berührt die Frage der Entstehung der Kabbala, die schon del Medigo behandelt hatte, und kennt neupytharäische und neuplatonische Einflüsse an, eine Forschung, die erst im 19. Jahrhundert von Frank, Jellinek, Joel wieder aufgenommen und weitergeführt wurde. Für eine rationelle Bibelauslegung fehlt ihm der Sinn. Kritiklos wendet er die spielende Deutungsweise der Mystik auf die biblischen Bücher an, um Beweise für die Wahrheiten der christlichen Dogmatik zu finden. So zeigt ihm schon das zweite hebräische Wort der Heiligen Schrift in seinen drei Buchstaben (schuf) die Dreieinigkeit (bara Vater (ab), Sohn (ben), Geist (ruach). Aus seinen friedlichen kabbalistischen Träumen wurde er durch einen Streit herausgerissen, der seinen Namen zu einem Parteiprogramm machen sollte. Der ehemals jüdische Metzger Pfefferkorn, der sich der Bestrafung seiner Diebereien durch die Taufe zu entziehen wußte, beschuldigte in einer von glühendem Haß gegen seine früheren Glaubensgenossen erfüllten Schrift, „Judenspiegel", die Juden, daß sie von Religions wegen zu gewissen Verbrechen genötigt seien und ihre heiligen Bücher die schmählichsten Beschimpfungen der christlichen Lehre und ihres Stifters enthielten. Er plädiert daher für Einziehung der Judenbücher und zwangsweise Anhörung der christlichen Bekehrungspredigten. Durch des Kaisers bigotte Schwester Kunigunde wurde diese Schrift an höchster Stelle empfohlen und gelehrten Geistlichen zur Begutachtung übergeben. Im Sinne Pfefferkorns entschied Victor von Karben, gleichsam ein antisemitischer Konvertit. In seiner Schrift ,,de vita et moribus judaeorum" (über Leben und Sitten der Juden) erklärt er den Talmud für den Hauptschuldigen an der ablehnenden Haltung der Juden gegen das Christentum. Daher müssen alle talmudischen Schriften den Juden genommen werden. Wie der Fluch Bileams in Segen sich wandelt, so ähnlich mutete es an, wenn wir bei Karben lesen: „Wenn man dem ärmsten Juden alle Schätze der WTelt gebe, er würde seinem Glauben nicht entsagen. Auch der Unwissendste würde sich lieber tausendmal verbrennen lassen, als den Dreieinigen bekennen." Jakob Hochstraten, der rührige und rücksichtslose Ketzermeister Kölns, kann selbstverständlich die gefährlichen Judenschriften nicht schnell genug beseitigt sehen, ohne seine diesbezügliche Forderung sachlich zu begründen.

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