Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Renaissancemenschen und Juden
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 423 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH VI. JAHRGANG AUGUST 1928 NUMMER 8 RENAISSANCEMENSCHEN UND JUDEN er Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ist durch die Epoche J_ß der Renaissance, der Wiedergeburt des klassischen Altertums in Kunst, Wissenschaft und Leben, vermittelt. Vollkommen harmonische Entfaltung aller menschlichen Anlagen wird als Ziel der Bildung erstrebt. Der Mensch fühlt sich als Einzelwesen, lernt seine und anderer Eigenart schätzen, eine neue Auffassung von Staat und Bürgertum, eine völlige Umgestaltung des geselligen Lebens bahnt sich an. Die Entdeckung der Welt als eines unendlichen Alls, die Auffindung bisher ungekannter Meere und Länder, die außerordentlich erleichterte Verbreitung der Kenntnisse und des Wissens durch die Buchdrucker - kunst, die religiöse Selbstbestimmung in der Reformation sind, wie Jakob Burkhard zeigt, die wesentlichen Momente, die den Anbruch der neuen Zeit bedingten. Für die Juden brachte diese Epoche der Verjüngung und Neugeburt keine neue Ära. Ein wissenfeindliches, buchstabengläubiges Mitteltalter hat das Geistesleben im Ghetto nur ganz partiell durchgemacht, und die dem Mittelalter eigenen Judenbedrückungen und Verfolgungen währten auch nach dem Aufdämmern der humanistischen Tageshelle noch Jahrhunderte lang fort. Und doch ist die Renaissance auch für Israel nicht ohne Bedeutung, und hervorragende Humanisten sehen wir in mehr oder minder nahen Beziehungen zu Juden und Judentum. Gleich an der Schwelle dieser neuen Ära grüßt uns eine ragende Dichtergestalt, die ganz und gar den Geist der Renaissance atmet und mit einem jüdischen Sänger in ein inniges Freundschaftsverhältnis trat. Es ist D a n t e, die herrliche Säule der römischen Beredsamkeit, wie ihn Petrarca in seiner bekannten poetischen Grabschrift nennt. Sein jüdischer Freund war Imanuel Sifroni. Wenn Heinrich Heine Charisi einen Voltairianer 500 Jahre vor Voltaire genannt hat, so läßt sich dies Wort auch auf Imanuel anwenden. Uns freilich erscheint er als der Heine des Mittelalters, ebenfalls ein ungezogener Liebling der Grazien, er bietet uns immer lieb- Von Dr. M. Beermann