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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-06-01
Page
Seite 414 (sequence 10)
Language
German
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414 MENORAH General Louis Bols, derselbe Bols, der zwei Jahre später als Hauptadministrator Palästinas den ersten Pogrom in Jerusalem hat geschehen lassen. Traurig, schweigend wandelten wir auf dem staubigen Weg zwischen den Kaktushecken auf und ab. Nun ich über jene Tage Rückschau halte, sehe ich, daß dies ein prophetisches Vorspiel zu der ganzen Epoche der Militärverwaltung war, vielleicht nicht allein der Militärverwaltung. Auf der einen Seite: Enthusiasmus, Hoffnung, Opferbereitschaft, eine ungeduldige Erwartung, zu kämpfen, zu schaffen; auf der anderen Seite: kalte, skeptische Augen mit fremden, finsteren Blicken und eine Abneigung gegen alles, wras ungewöhnlich, nicht banal, unroutiniert ist, gegen alles, was im Geruch von „Fancy" steht — sagen wir zum Beispiel — Zionismus . . . Colonel Patterson gehört aber nicht zu jenen Menschen, die lange in gedrückter Stimmung verharren. Er schüttelte bald seine üble Laune ab und sagte: „Tut nichts zur Sache. Wir haben schon schwerere Hindernisse überwunden. Es wird schon gehen. Ich bin überzeugt, daß der Oberbefehlshaber seine Meinung noch ändern wird/' Patterson hatte recht, noch mehr als recht. Nicht einmal, sondern zehnmal änderte Allenby seitdem seine Meinung, sowohl bezüglich der Legion, als auch der ganzen zionistischen Frage. Einige Wochen hernach gab er die Bewilligung, in Palästina Freiwillige zu rekrutieren, dann verschleppte er die Sache monatelang, versprach hierauf eine jüdische Brigade aufzustellen mit Patterson als General an der Spitze, hielt dann auch dieses Versprechen nicht, obwohl es in einem Brief schwarz auf weiß zu lesen stand. . . Eine seltsame aber bekannte Tatsache: die stärksten Soldaten sind oft schwache Menschen, die sich von jedem beliebigen, zufälligen Einfluß leiten lassen. Als General dürfte Allenby vermutlich ein bedeutender Stratege sein, wenigstens wird es behauptet; ich bin nicht Fachmann genug, um darüber zu urteilen. Aber man fand es auch für nötig, aus ihm einen Staatsmann zu machen, und in dieser Rolle erwies er sich bloß als Exekutivorgan, als ein Vollstrecker fremder Ratschläge, nicht aber als der wahrhaft führende Geist. Ein gewaltiger Motorwagen, den jeder, der ein wenig Geschicklichkeit und ein wenig Glück hat, lenken kann. Er ist seit jeher recht gefährlich, dieser Typus Mensch, der dank der Karriere und dem Aussehen eine Reputation von Kraft und Willen und Hartnäckigkeit suggeriert (seine Schmeichler im Hauptquartier nannten ihn ,,Ochse von Baschan") und tief im Inneren nicht weiß, was er denn eigentlich so stürmisch ,,wollen'4 soll;

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