Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 405 (sequence 1)
- Language
- German
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VOM NIL ZUM JORDAN Erinnerungen aus dem Weltkriege von Wl. Jabotinsky Nachdruck, auch auszugsweise, verboten — Copyright 1928 by Wl. Jabotinsky, Paris Autorisierte Übersetzung aus dem Jiddischen (5. Fortsetzung) IX. Soldatenlehen — Der Zensor — Erste Botschaft aus Palästina — Ein Besuch in Tel~Aviv — Die Hitnadwut — AVenhy und seine Ratgeher Zehn. Tage im Bummelzug durch ganz Frankreich und Italien, aber das waren keine beschwerlichen Tage. Wir hatten den Eindruck, daß Frankreich und Italien einzig zu dem Zweck da waren, um englischen Soldaten Komfort zu bieten. An jeder Bahnstation von Cherbourg bis Taranto trafen wir einen englischen „RTO" (Railway Traffic Officer), der offenbar der eigentliche Chef der Eisenbahn war. Es hatte wenigstens den Anschein. An jedem zweiten Tag hielten wir vierundzwanzig Stunden Rast in einem Lager, das englische Verwalter, Ärzte, Schwestern und Ordonnanzen hatte. Ein Lager, wie eine kleine Stadt aus Baracken und Zelten aufgebaut, mit großen Speisezelten für Soldaten, Sergeanten und Offiziere. Auch gab es da eine Apotheke, ein Spital, eine Konzerthalle und sogar einen „Kalabusch", so nannten unsere Soldaten, beeinflußt von den Leuten des „Zion-Mule- Corps", die sich oft des ägyptischen Jargons bedienten, den Militärarrest. Unser Bataillon besaß ein erstklassiges Konzertensemble, bestehend aus unverfälschten „Music Hall-Talenten", und die Lageroffiziere behaupteten, daß ihre Darbietungen die besten waren, die sie bis dahin im Felde gehört hatten. Ich meinerseits muß gestehen, daß ich in ihrem Repertoire nicht ein einziges jüdisches Motiv gefunden habe, mit Ausnahme der „Hatikwah", die Colonel Patterson ein für allemal nach jedem Konzert stehend zu singen anbefohlen hatte. Die Soldaten waren bei sehr guter Laune. Ich erinnere mich besonders an einen Tag — wir fuhren langsam durch die französische Riviera an Nizza und Monaco vorbei, die bereits im vollsten Frühlingsglänz strahlten. Nie in ihrem Leben hatten sich unsere Leute aus Whitechapel vorgestellt, daß es auf der Welt so viel Schönheit geben kann. Aus allen Fenstern der fünfzig Waggons drangen Freudenschreie. Von unseren dreißig Offizieren waren zwanzig Juden, natürlich aus anderen Regimentern transferierte Offiziere. Die meisten unter ihnen hatten bis dahin wenig vom Zionismus gehört. In der Offiziers- 7