Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Das jüdische Buch und die Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 386 (sequence 3)
- Language
- German
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386 MENORAH waehsenheit mit dem Geiste der hebräischen Sprache. Diesen Postulaten war nur durch stammeseigene Forscher nachzukommen. Die Aufgabe der Erhaltung des jüdischen Buches war also nur durch Erhaltung und Neuschaffung eines jüdischen Gelehrtennachwuchses erfüllbar. Das bedingte einen Organismus, der durch Maßnahmen materiellen Charakters unseren Wissenschaftsbeflissenen ihre äußere Existenz garantierte, der der früheren Fruchtlosigkeit ihres Ringens durch die Gewißheit ein Ende machte, ihre Werke veröffentlicht zu sehen, der ihren Arbeitsmut und ihr Selbstbewußtsein hob durch das Relief wissenschaftlichen Ansehens, welches die Zugehörigkeit zu einer großen autoritativen Körperschaft gewährte. Dieser Organismus ist die Akademie, gerade jetzt zehn Jahre alt, aber trotz der Kürze dieser Zeit bewährt durch Leistung und Wirkung: an der Zahl der Männer zu messen, die sie um sich geschart hat, der jungen Potenzen, die sie geweckt hat und zur Entfaltung bringt, aber auch an der Zahl und der Art der Bücher, an denen ihre Arbeit bis nun schon mündete und in denen $ie sich andauernd, in immer stärker anschwellendem Becken sammelt. Der Arbeitsapparat der Akademie ist ein Forschungsinstitut, unter einheitlicher Leitung in Einzeldisziplinen gegliedert, betreut von Spezialkommissionen, welche die Arbeitskräfte aus der wissenschaftlichen Jugend herzuholen, zu führen, zu fördern und zu kontrollieren haben. Was unter die Veröffentlichungen der Akademie aufgenommen sein will, hat seinen inneren und seinen Selbständigkeitswert, zugleich seinen Zusammenhangs- und Einfügungswert im Rahmen großer, einheitlich aufgestellter Gesamtaufgaben nachzuweisen. So streben die Einzelleistungen, in den ersten Jahren noch vorsichtig und bescheiden angelegt, aber nun schon zu umfassenderen und bedeutenderen Büchern sich verdichtend, zu Zusammenschlüssen in unversalistischen Werken und in Gemeinschaftsproduktion. Dabei ist als Grundlegung vor allem an möglichst vollkommene Beherrschung der Vergangenheit gedacht. Schaffung einer Bibliotheca Judaica, die alle in früheren Jahrhunderten erschienenen jüdischen Schriften in kritischen Ausgaben, nötigenfalls auch in Übersetzungen, zu; umfassen hätte, eines General Verzeichnisses aller auf unser Schrifttum bezüglichen Handschriften, sowie eines photographischen Handschriftenarchivs, gehört in diese Domäne. Dann: historische Durchdringung der gesamten Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in politischer, kultureller, wirtschaftlicher und sprachgeschichtlicher Be-