Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Das jüdische Buch und die Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 384 (sequence 1)
- Language
- German
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Das jüdische Buch und die Akademie für die Wissenschaft des Judentums uch im Leben des Geistes ist der biologische Grundsatz „cellula j \ ex oellula" seit Urzeit in Wirkung. Gedanke erzeugt Gedanken, Wort entzündet sich am Worte, die Bücher sind es, welche Bücher gebären. Darum kein Name so treffend, wie der der Heiligen Schrift als Buch der Bücher. Man kann ruhig sagen, daß dieses eine Buch das zeugende Prinzip der ungeheuren Literatur des jüdischen Volkes geworden ist. Sammelbecken des Fühlens und Denkens eines bewegten Jahrtausends, Mythos, Geschichtsspiegel, Gesetzbuch und ethische Norm einer genial beanlagten, problemdurchrüttelten, männlich um sich wirkenden Menschengemeinschaft, hatte dieses Buch Potenzen in sich aufgestapelt, die immer wieder zu Ideen- und Gefühlsexplosionen drängten, immer wieder in Bücher von gleichem oder verwandtem Geiste verdichtet. Das ist der tiefste Sinn der Tradition, der Herleitung unseres Geistesbesitzes von Mose am Sinai. Zugleich die Gewähr unserer Dauer und Zukunft: daß die Kette der Bücher aus dem Buche nicht abreißt, daß durch Versenken in das erste und in die unendliche Reihe der aus ihm gezeugten die Schöpferlust zu neuen Büchern in jeder Generation, und damit auch historische Wiedergeburt, sich entzündet Denn so ist es und nicht anders: daß aus dem Buche nicht nur Bücher, sondern auch Taten und Leben hervorgehen — jüdische Taten und jüdisches Leben, solange das jüdische Buch und seine Wirkung nicht sterben. So gesehen, steht, ganz im Geiste der „Politik" unserer Väter und Weisen, über allen bekannten Taktiken unserer Erhaltung, als da sind Abwehr und Anpassung in ihren tausend Formen und Systemen, die Erhaltung des Buches und die Sicherung seines Einflusses auf unsere Generationen. Wie sie zu bewerkstelligen, ist eines unserer aktuellsten Probleme. In früheren Zeiten, als einerseits unsere Literatur fast jedem Juden vertraut war, während er die Literatur der Völker nicht kannte, sie verachtete oder „mewatel" war, das heißt, sie für nicht existierend erklärte, in jenen Zeiten war Festhalten am Buche relativ leicht und einfach. Man brauchte nur zu lernen. Das Buch herrschte unbeschränkt und unangefochten, es füllte Leben und Seele aus. Studieren hieß untertauchen im eigensten, blutwarm gefühlten, freudig und schmerzlich zugleich geliebten Elemente. Der Widerstand, der in seinen Tiefen, seinen Rätseln und seiner Unendlichkeit lag, war nur Reiz mehr, seine