Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Einführung in die Geschichte der hebräischen Presse
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 370 (sequence 3)
- Language
- German
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370 MENORAH zentralen Figuren sind Moses Mendelssohn und Naphtali Hartwig Wessely. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderte sie, nach dem Niedergang des Hebräischen in Deutschland, nach Österreich und Galizien. Dort zeigt sie einen bedeutenden Fortschritt in Inhalt und Form: eine Steigerung in der Kraft des Ausdrucks; eine Vertiefung in der Erfassung jüdischer Kulturprobleme. Das Dreigestirn Rapoport-Krochmal-Erter leuchtete am galizischen Haskala-Himmel. Im Zusammenhang damit stehen die hebräischen Kreise Italiens, an ihrer Spitze S. D. Luzzatto. Die Wanderung der Haskala und ihrer Presse wird um die Jahrhundertmitte fortgesetzt — nach Rußland. Hier macht sie Halt und erreicht ihren Höhepunkt. Das letzte Viertel des Jahrhunderts bringt den großen Umschwung. Die Haskala wird von der nationalen Renaissancebewegung abgelöst. Die grausigen Judenverfolgungen im Zarenreich rufen eine tiefe Erschütterung im russischen Judentum hervor. Die hebräische Presse wird zur Vorkämpferin für die Ideale der Chibbat-Zion und später für den Zionismus. Mit den nationalen Ideen vereinen sich menschlich-ästhetische Bestrebungen. Europäischer Geschmack und europäische Formschönheit werden gepflegt. Gleichzeitig ergießen sich zwei Kanäle — nach Amerika und Palästina. Dorthin führt die Not, die zur Massenauswanderung treibt; hierher--der Glaubean die nationale Zukunft Iraels .. . Der Glaube schafft Wunder. In wenigen4 Jahren ist im Heiligen Lande eine umfangreiche, vielgestaltige hebräische Presse entstanden: drei große Tageszeitungen, zahlreiche Wochen- und Monatsschriften, Fachblätter, Parteiorgane, Sammelwerke. Palästina ist das Land der hebräischen Presse geworden. Ben-Jehudas Saat sollte herrliche Früchte tragen. Der Entwicklungsgang der hebräischen Presse zeigt somit fünf Hauptzentren: Deutschland, Österreich-Galizien, Rußland, Amerika und Palästina. Daneben erschienen oder erscheinen hebräische Zeitschriften auch in verschiedenen anderen Ländern des Orients und des Okzidents: in England, Frankreich, Holland, Ungarn, den Balkanländern, der Schweiz, Indien, Ägypten, der Türkei u. a. Im ganzen umfaßt die hebräische Presse seit ihrem Entstehen bis heute zirka achthundert Publikationen, die in ihrer Gesamtheit einen jüdischen Kulturschatz von hohem Werte darstellen. Josef Lin. Aus der Schrift „Die hebräische Presse", herausgegeben vom Komitee der „Isop"; Verlag „Jalkut", Berlin.