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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 367

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Die graphischen Künste
Date
1928-06-01
Page
Seite 367 (sequence 3)
Language
German
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DIE GRAPHISCHEN KÜNSTE 367 Es bedarf nur des Hinweises auf Namen, wie Camille Pissarro, Josef Israels, Max Liebermann und Lesser Ury, um die vier bedeutendsten jüdischen Impressionisten der drei wichtigsten Kunstländer — ein jeder Bahnbrecher und Führer auf seinem Gebiet — zu nennen und zugleich die hervorragendsten Graphiker zu bezeichnen. Sie sind längst zu Klassikern der Radierkunst und der Lithographie geworden. Die Zahl der heute tätigen Graphiker ist ungeheuer groß; in allen Ländern, allen Künstlervereinigungen, den verschiedensten Kunstrichtungen angehörend, finden sich jüdische Künstler von bedeutenden Qualitäten. Einen allgemeinen Überblick über ihr Schaffen zu geben, ist kaum möglich, doch ist in der kleinen graphischen Sonderschau der „Pressa" der Versuch gemacht, wenigstens in einem Querschnitt die Mannigfaltigkeit jüdischer Kunstproduktion aufzuweisen. Hierzu mögen noch einige Bemerkungen allgemeiner Natur gemacht sein: In dieser Sonderschau sind nur Werke lebender Künstler in wenigen Beispielen ausgestellt, wobei der jüngeren Generation das Vorrecht eingeräumt wurde, um so den Weg zu zeigen, den die neueste Kunst geht. Von jeder Systematik ist — schon infolge des beschränkten Raumes — Abstand genommen. Einige wichtige Künstler fehlen leider, da ihre Werke nicht erreichbar waren. Trotzdem wird das Gezeigte den überzeugenden Eindruck hervorrufen, daß die Entwicklungsbahn unserer jüdischen Graphiker bedeutend genug ist, um als gewichtiger Faktor in dem allgemeinen Kunststreben unserer Tage beachtet zu werden. Besonders wichtig aber ist für uns diese Tatsache noch in anderer Beziehung, da wir ihr nämlich die Wiedergeburt des schönen jüdischen Buches verdanken und damit unser altes Kulturrecht als die geistigen Führer des Schrifttums in modernerer Form der Welt dokumentieren können. Die beiden illustrierten Pessach-Hagadas von Joseph Budko und Jacob Steinhardt, die Holzschnitte Leo Michelsons zum Fuchsbuch (Mischele Schualim) und die köstlichen Illustrationen in Lithographie von Rahel Szalit zu den Erzählungen der ostjüdischen Dichter sind kulturelle Leistungen unserer Tage, die viel zur Belebung jüdischen Lebens beitragen und neben den Schöpfungen aller derer, die ihr künstlerisches Erleben in mannigfaltiger Form zum Ausdruck bringen, die Schöpferkraft jüdischen Geistes auch auf dem Gebiet der bildenden Kunst beweisen. Karl Schwarz.

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