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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 366

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Die graphischen Künste
Date
1928-06-01
Page
Seite 366 (sequence 2)
Language
German
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366 MENORAH Das 18. Jahrhundert ist ebenfalls noch arm an jüdischen Graphikern. Besonders in Amsterdam scheint das blühende jüdische Buchdruckgewerbe mehrere tüchtige Kupferstecher angezogen zu haben, während in Deutschland erst 1786 J. Schnapper von OfYenbach mit einem Porträt Goethes hervortrat. Dem 18. Jahrhundert gehört auch der erste jüdische Kupferstecher Englands, Ezekiel Abraham Ezekiel (1757 bis 1806) an, der eine Reihe von Zeitgenossen porträtiert hat. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehren sich die Namen in allen Ländern. In Holland sind Moritz Dessauer, Abr. Lion Zeelander, Joseph Hartogensis und Jeremias Snoek zu nennen; in England Salomon Bennett und Salomon Polack und in Deutschland Johann Michael Loewe von Königsberg, B. H. Bendix in Berlin, dessen Bruder nach dem Übertritt zum Christentum den Namen Bendemann annahm und der bekannte Führer der Düsseldorfer Schule wurde; die Brüder Henschel in Berlin, deren interessanter Nachlaß an Zeichnungen erst kürzlich in Berlin versteigert wurde, Löser Leo Wolf in Hamburg, der aus Polen stammende Heinrich Redlich und Louis Jacoby, dessen langes Leben erst 1918 endete. Auf dem Gebiete der Lithographie ragten Leopold Dick aus Kaiserslautern, Abraham Neu, David Levi Elkan, Gustav Wolf aus Dresden und Julius Bien in New York hervor. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts haben die graphischen Künste einen bedeutenden Aufschwung genommen. Der Kupferstich wurde vollkommen von der Radierung verdrängt, Holzschnitt und Lithographie wurden nicht mehr nur zu Illustrationszwecken verwendet, sondern gewannen künstlerisches Eigenleben, dessen Bedeutung immer mehr wuchs und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine vorher noch nicht dagewesene Blüte aller graphischen Künste hervorrief. Die Juden, die nach Aufhebung der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schranken auf allen Gebieten der Kunst ihre Kräfte erprobten und mit erstaunlicher Schnelligkeit den Weg zu erfolgreicher Tätigkeit fanden, wendeten sich ihrer ganzen künstlerischen Veranlagung gemäß mit besonderem Interesse den graphischen Künsten zu. Die erste Generation leidet allerdings noch an der mangelnden Erkenntnis intuitiven Schaffens. Es fehlt, trotz allen guten Willens und der besseren Veranlagung, die Milieuerziehung. Aber bereits nach wenigen Jahrzehnten sind sie in die neue Sphäre so weit hineingewachsen, daß sie als Führer mit in die ersten Reihen treten. Am schnellsten und nachhaltigsten war der Erfolg auf graphischem Gebiet.

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