Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Die jüdische Volkskunde auf der "Pressa"
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 364 (sequence 9)
- Language
- German
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364 MENORAH an wissenschaftlicher Eignung und Vorbereitung für diese Forschungen mangelte. Hier in Jerusalem wird alles einschlägige Material fast wie auf dem Präsentierbrett bequem dargeboten. Der Anthropologe Weißenberg hat deshalb in richtigem Empfinden, als Stipendiat der Virchow-Stiftung, Palästina zum Ausgangspunkt seiner wertvollen Studien über unseren Stamm gewählt. I d e 1 s o n hat durch seine phonographischen Aufnahmen in Jerusalem ein bis dahin ganz brachliegendes Arbeitsfeld erschlossen. Wo könnte ein Folklorist reichere Ernte halten? Über die Folklore der Juden Europas, des Ostens wie des Westens, sind wir um Ansätze zu wissenschaftlicher Ergründung nicht so verlegen wie über die der Juden Asiens und Afrikas. Selbst was wir von den Sefardim wissen, ist blutwenig. In Jerusalem fließt einem dieser Stoff fast von selbst zu. Schon die tägliche Beobachtung könnte Wertvolles liefern. Und wie bei allen folkloristischen Forschungen drängt die Zeit, wie in keinem anderen Forschungszweige. Was heute noch lebt oder in der Erinnerung sich erhalten hat, ist morgen für alle Zeiten unwiederbringlich verloren. Von besonderem Werte ist aber die jüdische Umgangssprache in Jerusalem, das Hebräische. Leicht ist es, sich mit Hilfe dieses Verständigungsmittels Zutritt zu jüdischen Kreisen zu verschaffen, die sonst schon durch sprachliche Schwierigkeiten nahezu unzugänglich waren. Und wie die Leute, kommt in Palästina das Land selbst zu Hilfe. Hat die Volkskunde die Pflicht, den einzelnen folkloristischen Erscheinungen durch Ermittlung ihrer Herkunft und Geschichte auf den Grund zu gehen, so wird das Land mit dem Leben und Weben seiner heutigen, auch der nichtjüdischen, Bewohner sowie seinen Altertümern, den Zeugen alter und ältester Zeit, manche wertvolle Handhabe bieten. Schon diese wenigen flüchtig gestreiften Tatsachen und Erwägungen dürften hinreichend den Wunsch begründen, daß an der jüdischen Universität die jüdische Volkskunde zu ihrem Rechte gelange. Jvlax Grunwald. S. Ruskin / Jüdische Kolonie in Galiläa