Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Die jüdische Volkskunde auf der "Pressa"
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 363 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JÜDISCHE VOLKSKUNDE AUF DER „PRESSA" 363 postkarten sind heranzuziehen. Sie bieten Darstellungen von Ghettis wie Rothenburg, Nikolsburg, von Friedhöfen wie Mattersburg, Wien und andere, von Volksszenen und -typen („Die Meehetunem tanzen") und andere. Besonders zu beachten sind humoristische Illustrationen zu den jüdischen Namen, so ein Tanzbär mit bärtigem Männerkopf als „Aron Bär", entsprechend ein Nathan ,,Fuchs", Familie „Katz", Samuel „Adler", Isidor „Hahn". Zjum Schlüsse eine Anregung: Volkskunde wird heute an etlichen Universitäten als besondere Disziplin vorgetragen und gilt als Prüfungsfach beim Doktorexamen. Naturgemäß wird von den einzelnen Landes- oder Provinzuniversitäten in erster Linie die Folklore der engeren Heimat berücksichtigt. An verschiedene Hochschulen schließen sich, meist in Form einer Personalunion Vereine für Volkskunde an. Als Kuriosum verdient Erwähnimg, daß in Erkenntnis der allgemeinen Wichtigkeit der jüdischen Volkskunde der Baseier Universitätsprofessor Dr. HofTmann-Krayer, der Leiter der „Zeitschrift für Schweizerische Volkskunde", vor kurzem in Basel einen „Verein für jüdische Volkskunde" ins Leben gerufen hat. Seit 30 Jahren bemühe ich mich, das Verständnis für die Wichtigkeit dieses Zweiges der Wissenschaft zu verbreiten. Welche Stelle wäre aber berufener, die jüdische Volkskunde systematisch zu pflegen, als die Universität in Jerusalem? Ist diese Hochschule eine nationale Schöpfung, so darf sie nicht an der Aufgabe vorübergehen, das Leben des jüdischen Volkes zum Gegenstande wissenschaftlicher Forschung zu wählen. Jede kleinste Universität hält es, wie bereits berührt, schon aus patriotischen Gründen, zur Pflege der Heimatsliebe für unerläßlich, das Volksleben des nächstliegenden Kulturkreises zu bearbeiten. Die Kenntnis des eigenen Volkes gilt überall als unabweisbare Forderung. Warum nicht auch bei uns Juden? Warum nicht an einer wissenschaftlichen Zentrale wie jetzt in Jerusalem? Doch abgesehen von diesem Ehrenpunkte, gibt es auf der ganzen Erde keine Stätte, die zur Behandlung der jüdischen Volkskunde geeigneter wäre. Jerusalem ist hierfür das gegebene Arbeitsfeld. Dieses „Gonfluentia" aller Juden der Welt, dieses Stelldichein, insbesondere der Juden aus den entlegensten Gegenden des Orients, schreit geradezu nach einem Folkloristen. Spärlich und nicht immer zuverlässig sind die Berichte der Forschungsreisenden über unseren Gegenstand. Auch waren es meist Leute, denen es entweder an tieferem Interesse oder