Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Von Briefen, Sendschreiben und Flugblättern als Nachrichtenquellen der jüdischen Vergangenheit
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
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352 MENORAH Es gibt ferner in der jüdischen Literatur auch Briefe, die den Empfänger nicht erreichten. Wir meinen jene Briefsammlung, an einem Tage, dem 22. November 1619, in Prag verfaßt, die uns blitzartig ein Momentbild aus dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges in der Prager Judenstadt gewährt. Wachstein hat diese, hauptsächlich für das innere Leben der deutschen Judenheit des 17. Jahrhunderts wichtigen Briefe in musterhafter Weise herausgegeben11). Von Briefen bekannter Persönlichkeiten, die nicht nur auf diese ein charakteristisches Licht werfen, sondern für die Erfassung des Zeitbildes wichtig sind, nenne ich den oft zitierten Brief des Moses Maimonides an Samuel ibn Tibbon von zirka 119912), in dem er eine Schilderung seiner Lebensweise in Kairo gibt, und den in gewisser Beziehung ähnlichen, in spanischer Sprache geschriebenen von Manasse ben Israel vom 31. Januar 1648, der manches über biblische Chronologie enthält13). Nach Erfindung des Druckes sind Flugblätter häufig an die Stelle von Sendschreiben getreten; vielfach sind sie nichts anderes als gedruckte Sendschreiben. Aus der Fülle dieser Veröffentlichungen seien hier aufgeführt: Die Flugblätter im Anschluß an die furchtbaren Judenverfolgungen unter Bogdan Chmielnitzki in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts14), die Flugblätter im Anschluß an die Hinrichtung des Jud Süß15), die Sendschreiben der Rabbiner und Gemeinden für und wider die sabbatianische Bewegung im Anfang des 18. Jahrhunderts16) und die verschiedenen Schreiben der Rabbinate und Anschläge der Gemeinden beim Klever-Ehescheidungsstreit17). Die genannten Briefe, Sendschreiben und Flugblätter würden heute in geringerem oder größerem Maße ihren Weg in die Presse finden. Sie sind, wie aus dem Zusammenhang sich ergeben dürfte, für die weiteste Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Darum ist dem einen oder anderen interessanten Stück auch Raum in der ,,Jüdischen Sonderschau" gegönnt worden. S. Kol er. l) S. Kautzsch, Die Apokryphen und Pseudoepigraphen des Alten Testaments II (1900) S.l—30. 2) S. im allgemeinen Iggeroth ha'Rambam, Leipzig 1866. im besonderen Codex Paris 1202, Codex Oxford 1270b usw. (Mitteilung des Herrn Rabb. Dr. Kroner, Oberdorf-Bopfingen) vgl. Pagel in „Moses ben Maimonfc, Bd. I (Leipzig 1908) S. 231—47. 8) S. Neubauer, Mediaeval Jew. Chron. I. Oxford 1887, vgl. Steinschneider, Die Gesehichtsliteratur (Frankfurt 1905), S. 18. *) Vgl. Graetz. Geschichte VII, 4. Aufl., Note 1. B) S. Steinschneider, Geschichtsliteratur, S. 64, § 62, 63. 6) Ib. S. 66/67 § 68; Dubnow, Weltgeschichte, V, § 35, S. 245. 7) Graetz, Geschichte XI, 2. Aufl., S. 87 u. Note l, Steinschneider 1. c. S. 153, § 2fi8. 8) S. Sachau, Aramäische Papyrus und Ostraka . . Leipzig 1911, z. B. Papyrus I, S. 3ff., Dubnow, Weltgeschichte, I, S. 396ff. 8) Talmud babli Sanhedrin Hb, vgl. Encyclopaedia Judaica, I (1927) S. 1190/91. 10) S. Steinschneider 1. c. §15, S, 19,20; Dubnow, Weltgeschichte, IV., Note 3, S. 479 ff. ") Jüdische Privatbriefe aus dem Jahre 1619 (Quellen u. Forsch, z. G. d. Juden in Deutschösterreich), Wien u. Leipzig 19U. 12) Vgl. Dubnow, Weltgeschichte, IV, S. 465. 18) S. E. N. Adler, About Hebrew Manuscripts, 1905, S. 65ff. A Letter ofMenasseBenlsrael.14) n'Tl miTJ S. Steinschneider, 1. c. § 168, S. 120/21. l*) z.B. Süß-Oppenheimer, Sammelband von Flugschriften. 25 Blätter bezw. Abbildungen. Augsburg 1783, Fol., vgl. Zs. f.H.B. IX, S. 56 f.»NachtraginX. l6) Ygl. Steinschneider, 1. c. § 229, S. 142ff. 17) Ib. § 261, S. 151.