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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Von Briefen, Sendschreiben und Flugblättern als Nachrichtenquellen der jüdischen Vergangenheit
Date
1928-06-01
Page
Seite 350 (sequence 2)
Language
German
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350 MENORAH Unterschied zwischen Juden und der Umwelt. Der Brief r\1M ,an2ö ,iro ist auch im jüdischen Kreis vielfach nur eine beliebte und oft gebrauchte Form der für die Allgemeinheit bestimmten Mitteilungen. Sie wird gewählt, um die mannigfachsten Gegenstände zu behandeln, religionsgesetzliche und medizinische, literarische wie ethische Fragen. Einige Beispiele sollen dies erläutern. Der Aristeasbrief1) aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert ist nur der Einkleidung nach ein Brief und will über die angebliche Entstehung der „Septuaginta" genannten Bibelübersetzung berichten. Ähnliches gilt von den Sendschreiben des Moses Maimonides2) aus dem 12. Jahrhundert, zumal jenen, die über die verschiedensten medizinischen und gesundheitlichen Fragen an den Sultan Al-Afdal und andere Persönlichkeiten gerichtet sind. Ein Sendschreiben lediglich literarischer Art ist der Scherirabrief3) aus dem 10. Jahrhundert, die wichtigste Quelle aus dem 1. Jahrtausend über die jüdische Lehrtradition und die Geschichte der Gaonen. Als Sendschreiben religionsgesetzlichen, ethischen und sozialen Charakters stellen sich die Antworten der Gaonen auf die Anfragen der jüdischen Gemeinden aus aller Welt dar. Etwa mit dem Federkrieg der Dunkelmänner mit den Männern der Aufklärung im Beginn des Reformationszeitalters sind die einander bekämpfenden Schreiben der Anhänger und Gegner des Maimonides4) dm 13. Jahrhundert zu vergleichen. Von nicht geringer Bedeutung sind ferner zwei Sendschreiben, die den berühmten Chasdai Krescas zum Verfasser haben5). Das eine schildert die traurigen Zustände nach der furchtbaren spanischen Katastrophe von 1391. Das andere betrifft einen Pseudomessias Moses. Eines der interessantesten Sendschreiben richtete um 1425 Salomo Alami an einen Ungenannten, worin er die Resultate seines Nachdenkens über die Ursachen der traurigen Zustände in Spanien nach 1391 in moralischen Anweisungen zusammenfaßt, in einer klaren, zum Teil gehobenen Aus drucks weise, wodurch dieser Brief zu einem Kulturdokument ersten Ranges wird6). Die Form des Sendschreibens ist selbst in der neueren Zeit beibehalten worden, als schon die Zeitung andere Möglichkeiten der Verbreitung geschaffen hatte. So richtete, um nur eines der berühmtesten Beispiele zu nennen, Naftali Herz Wessely im Jahre 1782 „Worte des Friedens und der Wahrheit" an die österreichischen Gemeinden über die Reformen Josefs IL, dessen Toleranzedikt und über die Reorganisation der jüdischen Schulen7). Ist bei diesen Schreiben, die nur der Form nach Briefe sind, von vornherein an einen weiteren Kreis gedacht, so gibt es Briefe, die zwischen A und B ausgetauscht werden und anscheinend nur Absender und

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