Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Article
- Der Aufstieg der Rothschilds
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 317 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DER AUFSTIEG DER ROTHSCHILDS 317 schon losgesagt hatte. Ein Meisterstück diplomatischer Technik ist es, wie sie in Frankreich im Gewirr der Revolutionen später es verslanden, eine Art von ruhendem Pol zu bilden. Gleiche Treue hielten sie auch — im Gegensatz zu manch andrer bekannter jüdischer Familie — der angestammten Glaubensgemeinschaft. Schon Mayer Amschel hatte bei dem judenfreundlichen Fürstprimas Dalberg, dem Freunde der Judenfreundin Bettina Brentano, durch unablässige Vorstellungen sowohl wie durch Geldopfer das Bürgerrecht für die Frankfurter Juden — freilich mit einiger Beschränkung — durchgefochten; Corti veröffentlicht das Faksimile eines in seiner naiven Rechtschreibung bezeichnenden Briefes Mayer Amschels an einen ihm befreundeten Landesregistrator, worin er sich Mitleilung über den Stand dieser ihm so sehr am Herzen liegenden Sache erbittet: „Ich winschle Gerne, der erste Botschafter zum Guten zu sein ... wo ich meiner nation die werdliche Freude mitiheilln kann. . ." Ähnlich hatte später sein Sohn Salomon in Wien unermüdlich gearbeitet, um durch das Eingreifen Metternichs zu verhüten, daß in der reaktionären Zeit der Heiligen Allianz die Frankfurter Juden wieder ins Ghetto zurückgestoßen wurden, wie man es ihnen angedroht hatte. Cortis bewundernswertes Buch schließt mit dem Jahre 1830; es umfaßt also recht eigentlich das Zeitalter des Aufbaues dieser Weltmacht. Der in Aussicht gestellte zweite Band des Werkes wird von den Erben, der gigantischen Ausdehnung ihrer Unternehmungen, aber auch schon von manchem Nachlassen und Erblassen der ursprünglichen Kraft zu berichten haben. Die Rothschilds waren ein halbes Jahrhundert hindurch die ausschlaggebende Finanzmacht Europas; und wenn man der alten Frau Gudula, der Witwe Mayer Amschels, das geflügelte Wort nachsagt „Wenn mei Buwe nit wolle, da gibt's kei Krieg!" so mag sie wohl einigen Grund dazu gehabt haben. Freilich — sie sind immer Bankiers geblieben; darin lag einst ihre Größe, darin liegt vielleicht Wilhelm, Landgraf von Hessen-Hanau, erster Gönner und Geschäftsfreund der Rothschilds Kupferstich nach dem Gemälde von PF. Böttner, Natiortalbibliothch, Wien heut ihre Schwäche. Sie konnten oder mochten sich nicht darauf einlassen, wie etwa Morgan, riesenhafte Sachwerte an sich zu ziehen und dadurch ganze Eisenbahnnetze und Industrien zu beherrschen. Sie bleiben Bankiers — sie werden keine Gründer. Nur einmal verknüpft sich der Name Rothschild unmittelbar mit dem Aufbau einer neuen Welt: mit dem Aufbau der jüdischen Welt in Palästina. Hier hat das Haus Rothschild seine eigenen Traditionen überflogen: das wird ihm — nicht nur bei seinen Stammesgenossen — unvergessen bleiben. Dr. Bertha Badt-Strauss.