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Menorah · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · p. Seite 316

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Article
Der Aufstieg der Rothschilds
Date
1928-05-01
Page
Seite 316 (sequence 3)
Language
German
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316 MENORAH später bei James und König Ludwig XVIII. in Paris), so wurde dieser Schaden mit Blitzesschnelle wieder ausgeglichen. Vielleicht die wichtigste Errungenschaft im Leben Mayer Amschels aber ist — sein Testament. Oder vielmehr dessen Vorbereitung schon zu seinen Lebzeiten. Er halte kurz vor seinem Tode sein gesamtes Vermögen seinen fünf Söhnen verkauft. Dadurch erreichte er es, daß das Geschäft Familiengeschäft blieb; durch die Niederlassung der fünf in den verschiedenen Mittelpunkten weltstädtischen Verkehrs ermöglichte er zugleich die Internationalität des Bankunternehmens, eine damals fast unerhörte Angelegenheit. Aus dieser seherisch weitsichtigen Fassung seines letzten Willens erklärt sich nun wieder die bekannte Legende, Mayer Am sehet habean seinem Totenbette seine fünf Söhne versammelt und Europa unter ihnen verteilt. Auch sie wird von den Cortischen Quellen widerlegt — nur zwei seiner Söhne waren überhaupt an seinem Sterbelager — aber wie bei der Waterloo- Legende: der Kern bleibt. Mit dem Tode des schlicht bescheidenen Vaters beginnt eine neue Epoche in der Geschichte der Rothschilds. Das Streben bleibt das gleiche; aber die Form wird eine andere. An Stelle des Hoffaktors tritt der Weltbankier. Die geheime politische Wirksamkeit der Brüder, die aktive Teilnahme der Rothschilds an der großen Politik der Zeit lernt man erst aus dem Cortischen Buche genauer kennen. Schon Wellingtons ruhmreicher spanischer Feldzug in Spanien wäre ohne die kühne Rothschildsche finanzielle Unterstützung rettungslos zum Scheitern verurteilt gewesen. Überhaupt haben die Rothschilds mit gesunden politischen Instinkten — vielleicht noch unterstützt durch ihre Hinneigung zum Bestehenden, „der Jude soll nit beten uf ein neuen Melech", hieß ja das alte Ghettowort — von allem Anfang dem Korsen mißtraut und in sehr ernsthaftem Sinne an seinem endlichen Sturze mitgearbeitet. Denn nur durch das von ihnen ausgebildete System der Barzahlungen auf dem Festlande an Stelle der früheren kostspieligen Trassierungen auf England ermöglichten sie die Durchführung der großen Subventionen an die Festlandsmächte und damit die finanzielle Rüstung der großen Koalition gegen Napoleon. Später erobert der Wiener Rothschild, Salomon, in unablässigem Bemühen das Vertrauen und die Zusammenarbeit mit der lange Zeit ablehnenden österreichischen Regierung; der allmächtige Graf Metternich wird sein besonderer Förderer — er wußte wohl warum — und Metternichs Sekretär und Vertrauter Friedrich Gentz war der erste, der sich (nicht ohne ein fürstliches Autorenhonorar) in Brockhaus' Konversationslexikon 1826 über das Wesen und die Entwicklung der Familie Rothschild vernehmen ließ. Bei ihm finden wir die berühmten Worte über das Glück der Rothschilds, die weit über diesen Einzelfall hinaus zutreffend und aufschlußreich bleiben: ,,Es ist keine neue, nur zu häufig verkannte Wahrheit, daß wTas man in der Geschichte einzelner berühmter Männer oder ausgezeichneter Familien Glück zu nennen pflegt, ein Wort ohne Sinn wird, sobald man es von der Mitwirkung des Persönlichen und Selbständigen im Menschen abgesondert denken will. Glück und Unglück mag in einzelnen Verhältnissen des Lebens, ,'obgleich auch in diesen nicht ausschließlich, menschliche Schicksale bestimmen. Dauerhafte Erfolge aber ebenso wie anhaltendes Mißgeschick sind stets und in einem weit höheren Sinne, als gemeinhin angenommen wird, die Frucht eigenen Verdienstes oder eigener Unfähigkeit und Schuld derer, die dadurch gekrönt oder zugrunde gerichtet werden." So beruht auch das sagenhafte „Glück" der Rothschilds — nicht ausschließlich, aber doch zum großen Teil auf ihren Verdiensten. Zu der unermüdlichen Arbeitsfreudigkeit des Vaters kamen bei den Söhnen finanzieller Wagemut gepaart mit nimmermüder Vorsicht. Ihre politische Haltung beruht wie wir schon sahen — auf einem Gemisch von Menschenkenntnis und nicht zu leugnender Treue gegen ihre Gönner. So hatte schon Mayer Amschel dem Kurfürsten von Hessen die Treue gehalten, so hielten die Wiener Rothschilds zu Metternich, als manch anderer sich von ihm

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