Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 306 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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306 MENORAH Pflichtigen Fremden in ganz England und Schottland (bezeichnend für den lieben englischen Wirrwarr: unter den Adressen jener Fremden, die bis dahin nicht eingerückt waren, fand ich auch meinen Namen und meine Adresse...) Ferner stellte mir das Departement 35.000 Kuverts mit der Aufschrift ,,On His Majesty's Service" und zehn Beamte für das Adressen schreiben zur Verfügung. Am nächsten Tag nach dem Empfang der Deputation der Assimilanten bei Lord Derby wurde mir vom War-Office telephoniert, daß ich präzise elf Uhr beim Generaladjutanten zu erscheinen habe. Zufällig war es dasselbe Zimmer, in dem Trumpeldor und ich einmal den General Woodward aufgesucht hatten. Wieder trete ich mit der Kappe auf dem Kopfe ein. Auch Patterson steht schon da, ebenfalls mit aufgesetzter Kappe. Beim Tisch sitzt der Generaladjutant, Sir Neville Macready, auch in der Kappe. Sehr offiziell: es riecht nach Unheil. ,,Ist Ihnen dieser Text bekannt?" fragt mich der General und überreicht mir ein dickes, maschingeschriebenes Manuskript in englischer Sprache. Ich lese die ersten Zeilen. „Der Anfang, Sir'' — entgegnete ich — „erinnert an eine jiddische Broschüre, die wir an die Dienstpflichtigen geschickt haben. Schlecht übersetzt, Sir." „Man erzählt mir, daß die russische Botschaft darüber ganz wütend ist" — erklärt er — ,.die Broschüre ist voll von Angriffen auf die russische Armee." „Das will heißen, Sir, daß die Übersetzung mehr als schlecht ist. In unserer Broschüre simd solche Angriffe gar nicht vorhanden. Dann habe ich sowohl heute als auch gestern den Botschafter Nabokow gesehen, mit ihm über die Legion gesprochen und er hat die Broschüre nicht einmal erwähnt. Sie können ihn anrufen und fragen, Sir, Telephon Victoria, Nummer so und soviel." Er gerät in Zorn. „Sergeant, wer gab Ihnen die Erlaubnis, die Broschüre in offiziellen Kuverts zu verschicken?" Ich stehe da und schaue ihn an, wie man ein Kind anschaut. (Schauen ist nicht verboten!) Was soll ich ihm antworten? Sein eigenes Departement hat mir die Adressen, die als Staatsgeheimnis gelten, hat mir 35.000 Kuverts gegeben, hat mir Beamte zur Verfügung gestellt — und er, der Vorstand des Departements fragt mich, den Titular-Lance-Sergeanten, wie das geschehen konnte? Gott im Himmel, was ist das für eine Wirtschaft? Kann bei ihnen jeder fremde Unter-