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Menorah · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · p. Seite 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Article
Die Musik der antiken Juden
Date
1928-05-01
Page
Seite 282 (sequence 11)
Language
German
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282 MENORAH Saiteninstrumenten, und so ist sie geblieben. Im Gegensatz zu der oft tosenden Instrumentalmusik der äußeren Welt war hier eine gedämpfte Musik der Weihe geschaffen, die Gott um Schutz anflehte, ihn pries oder vor ihm klagte. David war Hirtenknabe. So hatte er schon den elegischen Anhauch von der Landschaft empfangen. Er sang auf den Feldern von Bethlehem bei seiner Herde von der Sehnsucht, die ihn trieb. Vor Saul mußte er auf der Harfe singen, daß der böse Geist von ihm ging. „Und so oft nun der böse Geist vom Herrn über Saul fiel, nahm David die Harfe und schlug darauf mit seiner Hand, und Saul ward erquicket, daß es ihm leichter ward, denn der böse Geist wich von ihm." (1. Sam. 16.) Später zog er selbst mit der Harfe dem Zug voraus oder spielte darauf im Tempel. David war sicher der geniale Musiker der antiken Juden. Auch in seinen Hauskapellen liebte er vorzugsweise das Saitenspiel. Das eigentliche elegische Instrument war die Flöte. Wie die Griechen bei der Adonisklage, benützten die Hebräer die Flöte bei der Totenklage. Der Witwer mußte zwei Flötenbläser mieten, die bei der Toten bliesen. Jene Stelle aus dem Evangelium des Matthäus weist auf diesen Brauch hin: „Als Jesus in des Vorstehers Haus kam und die Flötenspieler und das lärmende Volk sah, sprach er: Weichet, denn das Mägdelein ist nicht tot, sondern es schläft." Sie war auch das Instrument der Hirten, schon in der frühesten Zeit. Deborah ruft dem Stamme Rüben zu: „Was, seid ihr bei euern Herden geblieben, die Flöte der Hirten zu hören?" Auch Klagelieder und Psalmen wurden zum Teil mit der Flöte begleitet. Man mag einwenden, die Instrumente seien in ihrer besonderen Verwendung bedingt durch ihre Wesensverschiedenheit. Aber ich betone noch einmal, wie ich es schon bei der Betrachtung des Triumph- und Klageliedes getan habe: bei allem entscheidet das Ausmaß. Alles ist schon dagewesen; sogar ehe Rabbi Akiba das Wort geprägt hat. Aber die Intensität karfn immer wieder verschiedenes Ausmaß erhalten. Dadurch entsteht ein Neues, ein Besonderes. Die Instrumente tragen gewiß schon die verschiedenen Bedingungen in sich. Aber nicht die Verwendung als solche ist von Ausschlag, sondern das Ausmaß ihrer Verwendung, die spezifische Betonung des Wertes. Von da aus kann man Rückschlüsse ziehen auf die psychische Eigenart eines Volkes, einer Rasse, einer Persönlichkeit, wenn sie etwas Repräsentatives von der verzehrenden Glut jener Eigenart in sich tragen.

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