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Menorah · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · p. Seite 275

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Article
Die Musik der antiken Juden
Date
1928-05-01
Page
Seite 275 (sequence 4)
Language
German
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DIE MUSIK DER ANTIKEN JUDEN 275 unbedingt mit der Musik Zusammenhang haben. Denn Zeit und Musik sind koinzident. Tatsächlich stehen wir vor einem neuen Aspekt: der jüdische Prophetismus ist geboren aus dem Geiste der Mus i k. Seine Wurzeln führen uns, in jene fast utiergründbaren Tiefen musikalischer Entität. Die Erlösung als Überwindung des Raumes erhält hier ihre letzte und überwältigendste Argumentation. Aus der Bibel wissen wir, daß die frühen, die sogenannten „naturhaften" Propheten, tanzend, musizierend, singend auftraten oder daß das Volk zu ihrem Auftreten spielte. „Sie weissagten auf Zithern, Harfen und Zimbeln", wie es heißt. Es waren vielleicht trunkene Gesänge, die Wirklichkeit und Kommendes dichterisch und musikalisch improvisierten, die Drohungen und Zornesausbrüche enthielten oder Lob- und Dankverse, aber durchaus aus dem Augenblicksgefühl geboren, aus der Irritabilität und Sensibilität dieser dämonischen Ausnahmemenschen, Der Inhalt ihrer Prophetie hatte ja nur eine Grundnote: aus der Gegenwart in die Zukunft zu weisen. Das andere war Sache der Persönlichkeit, des Dichters. So fiel der Name des Dichters mit dem des Propheten zusammen (Vates). Die Bibel nennt diese Zustände der Propheten die „heilige Krankheit". Erst durch sie waren sie zum Hellsehen und Wunderwirken in der Lage. Aber das Entscheidende ist dabei: ihr mystisches Hellsehen wurde eingeleitet durch die Musik. Sie spielten, wie gesagt, selbst auf Harfen und Zithern, oder sie ließen sich erst vorspielen, bis die Ekstase über sie kam. Elisa prophezeit Josaphat den Sieg. Bevor er beginnt, ruft er: „So bringt mir nun einen Spielmann! Und da der Spielmann auf den Saiten spielte, kam die Hand des Herrn auf ihn, und er sprach: So spricht der Herr usw." (2. Kön. 3. 15.) An vielen anderen Stellen der Bibel läßt sich erkennen, daß die Propheten etwa bis David die Musik als das Stimulans für ihre Eingebungen benützten, überhaupt, daß die Israelitische Gefangene in Assyrien spielen die Harfe

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