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Menorah · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · p. Seite 268

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Article
Die Gerim von Judina
Date
1928-05-01
Page
Seite 268 (sequence 6)
Language
German
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268 MENORAH er selbst nach Turtschansk verbannt, wo er starb. Eliahu Pawlow, der jetzige Rosch Hakahal, ist sein Enkel. Nachdem jahrzehntelange Verfolgungen nichts gefruchtet hatten, wurde die Polizei müde und ließ den Verbannten etwas mehr Freiheit. Sie durften sich innerhalb bestimmter Grenzen frei bewegen und zogen meist von den Tundren fort in die Gegend von Minusinsk. Im Jahre 1820 wurde hier von zehn neujüdischen und einigen molokkani sehen Familien eine Kolonie gegründet, die später, als die Regierung jedem Ansiedler vierzig Morgen und etwas Wald gab, sehr vergrößert wurde. Bis zum heutigen Tage besteht Judina — so wurde die Gemeinde von den „Juden" genannt — zum Teil aus Juden, zum Teil aus Molokkanern. Ganz ungeschoren blieben die Gerim auch hier nicht. Die Regierung fürchtete das Übergreifen ihrer Lehren auf die Stadt Minusinsk und wollte es zuerst nicht gestatten, daß sie sich in solch verhältnismäßiger Nähe ansiedelten. Indessen verjagte man sie nicht, sondern begnügte sich mit Scherereien aller Art, von denen eine Flut von Missionären nicht die geringste war. Es blieb aber alles vergebens, die Gerim ließen sich nicht zu ihrem alten Glauben bekehren. Am schlimmsten, scheint es, waren die Verfolgungen in den Sechziger jähren des neunzehnten Jahrhunderts. Die Gerim durften keine christlichen Dienstleute halten. Sie wagten es selbst im geheimen nicht, zum Gottesdienst zusammenzukommen. Die Schochtim wurden in Ketten von Judina weggeschleppt. Jeder Christ, der mit den Gerim zu tun hatte, wurde schwer bestraft. So ging es viele Jahre lang, manchmal ärger, manchmal besser, bis im Jahre 1905 die erste Revolution auch Judina die religiöse Freiheit brachte. In den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts kam Timofei Michaelowitsch Bandariow nach Judina, ein Ger aus dem Kaukasus, der aus seiner Heimat verbannt worden war. Dieser Mann sollte in der geistigen und materiellen Entwicklung Judinas eine große Rolle spielen. Er war vor seinem Ubertritt zum Judentum Küster gewesen. In dieser Eigenschaft kam er in allzu nahe Berührung mit den Priestern, um seinen naiven Glauben zu bewahren. Er sah und hörte Dinge, die ihn schließlich dazu führten, das Christentum abzulehnen. In seinem Dorfe lebten zwei fromme jüdische Familien. Bandariow, den die jüdischen Bräuche mehr und mehr fesselten, wollte die Echtheit des Glaubens bei diesen Juden auf die Probe stellen, und er versuchte mehrmals, am Sabbat etwas bei ihnen zu kaufen. Trotz-

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