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Menorah · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. Seite 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 4 (April 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-04-01
Page
Seite 238 (sequence 12)
Language
German
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238 MENORAH einen handgeschriebenen Brief von General Woodward, dem Direktor des Organisationsdepartements im Kriegsministerium. Der Brief enthielt eine Einladung an mich, um 2 Uhr gleichen Tages ins War-Oflice zu kommen zwecks Unterredung mit dem Kriegsminister Lord Derby. Aus dem ersten Wort des Briefes „Sir" und aus dem ganzen Inhalt erkannte ich, daß weder der General noch der Minister die leiseste Ahnung davon hatten, daß dieser „Sir" nunmehr ein gemeiner Soldat in einem Londoner Bataillon war. Ich begab mich zu Trumpeldor, der auch in Chelsea wohnte, und hielt mit ihm Kriegsrat. Was tun? Wenn sie meine Uniform erblicken, würden sie da vor dieser Ungeheuerlichkeit nicht erschrecken? Eine politische Konferenz zwischen einem Kriegsminister und einem Gemeinen? Ich hätte Trumpeldor ersucht, allein hinzugehen — aber seine Kenntnisse im Englischen waren zu schwach. Wir beschlossen, zusammenzugehen. Genau 2 Uhr standen wir vor der Türe des Organisationsdirektors im War-Ofüce. Wir übersandten dem General Woodward unsere Visitenkarten. Man ließ uns gleich rufen. Ich betrat das Zimmer, laut Reglement, mit der Kappe auf dem Kopfe, stand „Habt acht!", salutierte und stellte mich und Trumpeldor vor. Ich muß dem General ein Kompliment machen: so erstaunt sein Gesicht auch aussah, seine Zunge verriet es nicht. Er sagte: ,,Oh. yes . . . ich will den Minister verständigen" und ging hinaus, ohne uns anzuschauen. Beim Minister jedoch hielt er sich ganze fünf Minuten auf. „Auch sie halten Kriegsrat", witzelte Trumpeldor. Zu guter Letzt trat ein Privatsekretär ein und bat uns zum Minister. Da durfte ich schon, Gott sei Dank, meine Kappe abnehmen. Lord Derby ist ein Mann in Zivil und vor ihm muß ich nicht stramm stehen wie ein Besenstiel. Lord Derby ist ein großer, breitschultriger, stämmiger Mann von dem klassischen, heute allerdings schon seltenen „John BuU"-Typus. Er hat das rote Gesicht eines Landedelmannes — und auch jene Aussprache, die bei einem armen Manne als Sprachfehler, bei einem Lord jedoch als Affektiertheit eines Reichen gilt. Er sagt: „comin', writin\ readin'" ohne g. Im übrigen aber ein feiner, lustiger und liebenswürdiger Mann. Wir setzen uns, der General sitzt in einem Winkel und schweigt. „Der Premierminister bat mich", sagt Lord Derby, „mich bei Ihnen über die Einzelheiten Ihres Planes zwecks Schaffung einer jüdischen Legion zu informieren."

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