Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Die Kunst als Jude zu leben
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 217 (sequence 6)
- Language
- German
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DIE KUNST, ALS JUDE ZU LEBEN 217 Wir fürchten, daß diese schöne Geste verloren gehen wird. Die Vorurteile der Mehrheit gegen die Minderheit vermögen nicht bekämpft zu werden. Hier sei eingefügt, was mir ein protestantischer Pastor aus der Gegend des oberen Missouri, der aus Europa stammte und von dem man voraussetzte, daß er die Katholiken kenne, erzählt: Um Ostern kam eine protestantische Mutter zu ihm und fragte besorgt, ob man die Kinder ruhig zwischen den einwandernden Arbeitern herumlaufen lassen könne. Sei es doch bekannt, daß die Katholiken um Ostern das Blut von Protestantenkindern genießen. In den Südstaaten, wo ohnehin die Rassenhetze zur Niederhaltung der Neger betrieben wird, war es leicht, die Empfindung umzubiegen und eine Erregung gegen die Katholiken zu schaffen. Das geschah hauptsächlich in den Staaten Georgia, Alabama und Florida. In Birmingham (Georgia), in einer Stadt von 200.000 Protestanten und 10.000 Katholiken, überzeugte man die Mehrheit, daß diese fünf Prozent die Stadt regieren und mit Hilfe des internationalen päpstlichen Einflusses die Laienschule unterdrücken und die moderne soziale Gestaltung zerstören wollen. Der Gouverneur von Alabama schuf antikatholische Gesetze und ebenso das Parlament von Florida. Die New Yorker Zeitschrift „The Nation", ein sozial gerichtetes Blatt, erzählt, daß die politischen Antikatholiken von Haus zu Haus gingen, von einem Geschärt zum anderen, und dafür agitierten, daß man katholische Arbeiter und Angestellte entläßt, was auch zumeist gelungen sei. Sie fügt hinzu, daß zur Ehre der jüdischen Kaufleute die Mehrzahl von ihnen die Agitatoren ersuchte, ihr Haus zu verlassen, ohne vor ihren Drohungen zurückzuschrecken. Es ist vorgekommen, daß die Juden eher bürgerliche Rechte erhalten haben als andere Minderheiten. Und in Algier, wo sie doch nur als Minderheit leben, sind sie in ihrer Gesamtheit als französische Bürger in den Staatsverband aufgenommen worden, während die Moslem nur individuell rezipiert werden konnten. Das hat sich erst nach dem Weltkriege geändert; jetzt sind alle Eingeborenen französische Bürger. Oskar Baum berichtet („Der Jude", 7. VIII. 1923): „Unter die reinsten Germanen, den skandinavischen Goten (in Schweden) ist dieselbe kleine Zahl von Katholiken gleicher Rasse und von Juden eingesprengt (3000). Den Katholiken gegenüber herrscht ein tiefgehendes allgemeines Mißtrauen, feindselige Abneigung. Die Juden, die man sehr wohl als Fremde empfindet, genießen Vertrauen, Ansehen, Achtung.