Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Die jüdische Landwirtschaft in Bessarabien
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 188 (sequence 7)
- Language
- German
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188 MENORAH Land hat sich im Erbgang stark zerplittert. Im Jahre 1899 hat man in neun Kolonien 1000 Familien gezählt, die 3500 Deßjatinen*) besaßen. Die Mehrzahl der Kolonisten hat außer Landwirtschaft noch andere Beschäftigungen gehabt; denn von ihrem Lande vermochten sie sich nicht zu ernähren. Ein kleiner Teil hat sich doch mit der Zeit in echte Ackerbauern verwandelt. Und da das eigene Land nicht ausreichte, so pflegten sie bei ihren Nachbarn oder bei den Bauern und Grundbesitzern Land zu pachten. Eine sehr große Bedeutung für die Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft hat der Tabakbau gehabt. Die Kultur feinerer Sorten Tabaks, die türkische Juden nach Bessarabien in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gebracht haben, hat sich bei den Bauern wie auch in den großen Gütern bedeutend entwickelt. Es hat sich aber erwiesen, daß es nur die Juden verstehen, gute Sorten Tabak zu erzeugen. Die Gutsbesitzer haben aufgehört, Tabak auf eigene Rechnung zu bauen; sie haben sich damit begnügt, von den Juden für das zum Tabakbau geeignete Land große Pachtzahlungen zu erheben, und dasselbe haben auch die Bauern getan. Die Kultur der besseren Sorten Tabak erfordert im Laufe des ganzen Jahres sehr viel anstrengende, sorgfältige und geschickte Arbeit. Tabak wird anfänglich in Treibbeete ausgesät, die einer sorgfältigen Pflege bedürfen; später wird er ins Freie verpflanzt. Während des Sommers muß man die Pflanzen wiederholt hacken und den Boden von Unkraut reinhalten. Jede einzelne Tabakpflanze muß gepflegt werden. Hat man die Blätter endlich abgenommen, so beginnen erst dann die Hauptarbeiten, die im Sortieren, Trocknen und Packen der Blätter bestehen, und gerade von diesen Arbeiten hängt die Qualität des Tabaks am meisten ab. So wie sich die Juden in der Industrie als die besten Schneider erweisen, erweisen sie sich in der Landwirtschaft als die besten Tabakpflanzer. Die Juden sind physiologisch und psychologisch besonders gut zum Tabakbau veranlagt. Der ehemalige französische Landwirtschaftsminister Tisseran, der im Jahre 1908 die Wirtschaften der jüdischen Ackerbauer besuchte, drückte sich in dem der Ica erstatteten Bericht folgenderweise über den jüdischen Tabakbau aus: ,,Die Tabakpflanzungen, die ich in den Kolonien gesehen habe, tragen zur Ehre der jüdischen Pflanzer bei, denn sie sind ausgezeichnet; in keinem anderen Lande habe ich bessere und schönere Tabakpflanzungen gesehen." Die jüdischen Tabakplantagen waren nicht groß, gewöhnlich nicht mehr als ein Hektar. Das waren ausgesprochene Ar- *) Deßjatiue ist gleich l-l Hektar.