Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Die jüdische Landwirtschaft in Bessarabien
- Date
- 1928-03-01
- Page
- 182 (sequence 1)
- Language
- German
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DIE JÜDISCHE LANDWIRTSCHAFT IN BESSARAB1EN Reiseeindrücke von Salomon Mines Die allgemeine Lage des Landes Wenn man schon vor dem Kriege Bessarabien besucht hat und jetzt wieder dahin kommt, fällt es sofort auf, daß alles schmutzig und verwahrlost ist. Das Land ist merklich verarmt. Der wirtschaftliche Niedergang Bessarabiens ist keine unmittelbare Folge des Krieges. Darunter hat nur der entlegene nördliche Kreis Bessarabiens, Chotin, gelitten. Den Schrecken des Bürgerkrieges ist Bessarabien nicht ausgesetzt gewesen. Die Entwicklung der sozialen Revolution wurde schon im Jänner 1918 durch die rumänische Okkupation abgebrochen. Aber die kurze revolutionäre Periode war von ausschlaggebender Bedeutung — das zurückflutende russische Heer hat einen bedeutenden Teil der großen Güter ausgeplündert; die Bauern haben Revolutionskomitees gegründet, die sich des größten Teiles des dem Adel gehörenden Bodens bemächtigten. Die Rumänen haben keine Veranlassung gehabt, auf die Seite der stark russifizierten Klasse der Großgrundbesitzer zu treten. Sie haben es eilends versucht, die Agrarrevolution in eine Agrarreform primitiver Art zu verwandeln. Der Boden wurde so eingeteilt, daß der An teil jeder Bauernfamilie bis auf sechs Hektar vergrößert wurde. Aul diese Weise ist zu den zwei Millionen Hektar, die schon im Besitze der Bauern waren, noch eine Million dazugekommen. Die Bauern müssen nur eine sehr bescheidene Geldsumme (600 bis 900 Lei* pro Hekbir» der Regierung für das neu zugeteilte Land bezahlen. Den ehemaliger Großgrundbesitzern hat man ungefähr je 125 Hektar Land gelasser Zunächst ist es unmöglich, die Bedeutung der Agrarrevolution für die künftige, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung des Landes abzuschätzen. Mit den Agrarrevolutionen und den radikalen Agrarreformen beginnt eine neue Periode in der CiexHiichte Osteuropas. Die Herrschaft des großgrundbesitzenden Ad* is ist mit einem Schlage vernichtet worden und die sozialpolilische Bedeutung der Bauernklasse hat sich stark vergrößert. Das vvird sehr weitgehende Folgen haben. Aber eines ist klar, daß die revolutionären Umstürze zunächst zu einem gewissen Niedergange der Volkswirtschaft, die sich *) Geo-enwärtig l Dollar ungefähr if»0 Lei. Aber die Kaufkraft des Leis ist etwas höher, als seiner Goldparität entspricht.