Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 180 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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180 MENORAH Allnächtlich besuchte einer von ihnen das Lager, wählte sich ein Opfer und trug es in das Dickicht des äquatorialen Waldes. Und einen nach dem andern erschoß der junge Patterson, in summa acht Löwen. Die acht dunkelgelben Felle hängen jetzt noch an der Wand in seinem Hause in Buckinghamshire. Daraus entstand sein Buch „Die Menschenfresser von Tsavo". Auf meinem Exemplar steht gedruckt: 26. Auflage. Ich kenne Engländer, die für eine lange Reise nur zwei Handbücher mitnehmen: die Bibel und Pattersons „Menschenfresser". Durch dieses Buch wurde Patterson mit einem anderen Großwildjäger bekannt — mit Theodore Roosevelt, in dessen Hause er oft zu Gast war. Nach der Tsavo-Episode kam der Burenkrieg in Sudafrika: Patterson meldete sich zur Kavallerie, begann als Unterleutnant und beendigte den Krieg als Leutnant-Golonel. Dann lebte er lange Zeit in Indien, bereiste eine halbe Welt, durchlebte stürmische Tage, über die zu berichten hier nicht der richtige Platz ist, kurz ein Leben, das wie ein Roman klingt und nicht von der Art des heutigen prosaischen Jahrhunderts. „Ein Bukanier", sagt über ihn sein alter Freund, der Feldmarschall Allenby (so nannte man jene stürmischen Seelen, die vor mehreren Jahrhunderten die Herrschaft Spaniens und Frankreichs auf den Inseln des Golfes von Mexiko und des Karaibischen Meeres gebrochen und dazu verholfen haben, aus dem Atlantischen Ozean ein englisches Meer zu machen). Und als Ende einer solchen Karriere erhielt er das Kommando des Zion-Mule-Gorps in Gallipoli und der jüdischen Legion in Palästina; blieb unbedankt sowohl von christlicher als auch von jüdischer Seite. Er sagt, er bereue es nicht. Ich traf ihn in seinem Rekonvaleszentenheim, ein schlank gewachsener, hagerer Mann mit klugen und fröhlichen Augen, eine Verkörperung dessen, was die Engländer „Irish charm" nennen, aber ohne einen Tropfen jener irischen Melancholie, Reflexion und Grübelei, die dem Iren in seinem Volksleben ebenso hinderlich ist wie dem Russen. Dabei ein großer Bibelkenner, für den Gideon, Simson und David lebendige Gestalten sind — und (glücklicherweise für ihn) manchmal auch den Juden von heute verkörpern oder vielleicht nicht sehen lassen. „Wie steht es mit Gallipoli?" „Ein Durchfall." „Das Zion-Mule-Gorps?" „Ein Erfolg. Glänzende Soldaten." „Trumpeldor?" „Der tapferste Mensch, den ich in meinem Leben gesehen habe. Er ist jetzt Oberkommandant des Gorps."