Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 179 (sequence 15)
- Language
- German
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VOM NIL ZUM JORDAN 179 ,,Einen, den wichtigsten unter ihnen, haben Sie gesehen: es ist jener hagere Herr. Er ist kein Jude und für den Militärdienst zu alt, aber er interessiert sich sehr für diese Frage. Er ist ein russischer Emigrant, heißt Mr. Tschitscherin. Wollen Sie ihn kennenlernen?" „Nein4', sage ich. „Merkwürdig: ich stellte ihm in bezug auf Ihre Person dieselbe Frage und er gab mir dieselbe Antwort. Es ist eine seltsame Sache, daß die ,Russen4 einander hassen. Man spürt es, daß, wenn Mr. Tschitscherin nur ein wenig Einfluß hätte, er Sie gerne im Kerker sehen möchte — und ich habe Angst, es beruhe auf Gegenseitigkeit." ,,0 ja", sage ich aus vollem Herzen. Über den heuligen Außenkommissär Sowjetrußkinds hatte ich dadamals nur wenig gehört, er zählte nicht zu den berühmten Emigranten, er war mehr seines Namens wegen bekannt, da sein Onkel in den Sechzigerjahren ein großer liberaler Publizist war und für die Gleichberechtigung der Juden sich eingesetzt hatte. Aber das wenige, das ich von ihm gehört hatte, genügte mir: Mr. Tschitscherin war einer der Hauptanführer der ganzen Agitation in Whitechapel, daß die Juden jede Art von Militärdienst verweigern sollten. Und was den Kerker betrifft — ist die Prophezeiung des Mr. King tatsächlich in Erfüllung gegangen, aber nicht bezüglich meiner Person. J_jin Brief mit dem Londoner Poststempel: „Ich komme aus Gallipoli, bin einer Verwundung wegen hiehergeschickt worden und befinde mich jetzt im Rekonvaleszentenheim, Dover Street. Gezeichnet: J. H. Patterson." Colonel Patterson hatte ich bis dahin nicht gekannt; er stieß zu unseren Freiwilligen in Alexandrien erst nach meiner Abreise aus Ägypten. Ich hatte aber viel von ihm gehört. Er ist ein in Irland geborener Protestant. Seinem Berufe nach war er früher Ingenieur. Noch im Jahre 1896 wurde er beauftragt, irgendwo in Afrika, in der Nähe „unseres" Uganda, eine Eisenbahnbrücke über den Fluß Tsavo zu bauen. Von diesem Brückenbau her stammt seine Berühmtheit. Er ist bei einem ganz speziellen Kreis von Menschen berühmt — bei den Großwildjägern Englands und Amerikas. Patterson ist eine anerkannte Heidenfigur der englischen Löwenjäger. An dem Tsavo-Flusse bestand sein Lager aus einigen hundert schwarzen Arbeitern; er war der einzige Weiße und der einzige, der mit einem Gewehr gut umgehen konnte. Es erschien in jener Gegend eine Löwenherde von jener schlimmsten Art, die man „Menschenfresser" nennt, da sie jede andere Nahrung verschmähen.