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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Der Bildhauer Kurt Harald Isenstein
Date
1928-03-01
Page
158 (sequence 1)
Language
German
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Der Bildhauer Kurt Harald Isenstein Es ist eine bekannte Tatsache, daß das Judentum eine weitaus größere Zahl an Malern und Graphikern als an bemerkenswerten Bildhauern hervorzubringen vermochte Die Gründe hiefür sind an anderer Stelle oft und eigenartig erklärt worden. Hier soll auf einen jungen Bildhauer hingewiesen werden, dessen eindrucksvolle Arbeiten sich trotz der Ungunst der Verhältnisse immer mehr Freunde gewinnen. Denn es ist wohl nicht zu bestreiten, daß gerade die Plastik den am meisten vom Publikum vernachlässigten Zweig der Künste darstellt. Gewiß trägt die Schuld daran auch die schwerere Beweglichkeit der Objekte, das farblose Material der Werke der Plastik, die zudem leider durchgängig mit den farbig leuchtenden Bildern gezeigt werden, doch liegt der tiefere Grund für die geringe Beachtung der Bildhauerkunst in dem Beschauer selbst. Das abstrakte Schönheitsempfinden für rein Formales liegt besonders dem Nordeuropäer nicht im Blute und nur wenige geben sich die Mühe, diese Musik der Formen oder ,»Volumen", wie es der Bildhauer Ernesto de Fiori benennt, nachzuempfinden. Gerade aus den plastischen Werken des jungen Berliner Bildhauers Kurt Harald Isenstein strömt diese Musik in besonderer Harmonie, daß es gewiß nicht verfrüht ist, an dieser Stelle davon zu sprechen. Zwar vermochte schon mancher junge Stern, der wie ein Meteor aufstieg, diesen ersten Glanz nicht auf die Dauer zu erzeugen, so daß im allgemeinen mit Recht ein verfrühter Hinweis als schädlich bezeichnet werden darf. Aber wer einen Blick auf die Entwicklung Isensleins wirft, erkennt das ruhige Fortschreiten einer reifenden Künstlerpersönlichkeit. Zu Hannover 1898 geboren, mütterlicherseits dänischer Herkunft (sein Urgroßvater war der Oberrabbiner Professor Wolf in Kopenhagen, der Gründer der dortigen jüdischen Gemeinde), kam der Knabe früh nach Berlin, wo er in einer sehr fortschrittlichen Schule schon in den ersten Schuljahren Modelliermaterial in die Hand bekam. Schon hier zeigte sich seine seltene formale Begabung. Nach der Schulzeit begann er seine schwere Künstlerlaufbahn und schlug den Weg über das Steinhauerhandwerk ein, das ihm wenig zusagte. Sein Akademiestudium fiel in die Kriegsjahre und wurde durch seine Militärzeit unterbrochen. Er studierte nur kurze Zeit unter Peter Breuer, Hugo Lederer und Wilhelm Gerstel. Im Jahre 1921 erhielt er den ersten Michael Beer-Preis, der ihm leider infolge der Inflation die ersehnte Studienreise nach Italien nicht ermöglichte. Seine selbständige Natur vermochte jedoch auf diesem Wege wenig aufzunehmen und wir sehen ihn bald der Akademie den Rücken kehren. Einige außergewöhnliche erste Ausstellungserfolge machten ihn stutzig. Denn noch fühlte er sich nicht reif genug, um seine Schöpfungen in großer Form zu zeigen. Der Dreiundzwanzig jährige erhielt einen Lehrauftrag für Bildhauerei an einer großen Berliner Kunstschule, wo seine pädagogische Begabung schöne Erfolge zeitigte. In diesen Jahren entstanden neben vielen graphischen und kompositionellen Arbeiten eine Reihe von Porträlplastiken, die allein genügen, um die ungewöhnliche Begabung Kurt Harald Isensteins zu erkennen. Wie diese Köpfe rein aus dem jeweiligen Geist des Dargestellten heraus gestaltet sind r.nd dennoch dem tektonischen Gesetz der Plastik und des Materials gerecht werden, zeigt sein tiefes Einfühlungsvermögen und seine Beherrschung der bildhauerischen Mittel. Dabei läßt sich als geradezu erstaunlich eine scheinbare Gegensätzlichkeit in der bildhauerischen Anschauung konstatieren. Betrachtet man zum Beispiel die differenzierte, nervöse Darstellung der Künstlerköpfe des Musikers James Simon, Emil Ludwigs oder das Jupiterhaupt Einsteins gegenüber der großen einfachen Formgebung bei einigen anderen Köpfen, so vermag man fast den Schaffensprozeß des Künstlers nachzuleben. Hier die Finger-

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