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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Purim in der comtadinischen Literatur
Date
1928-03-01
Page
Seite 143 (sequence 5)
Language
German
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PURIM IN DER COMTADINISGHEN LITERATUR 143 Judengasse in Carpentras jüdischen Wöchnerin machte man so wie der provengalischen anläßlich ihres ersten Tempelganges das vierfache Geschenk, das dem Kinde galt und aus Brot, Salz, einem Ei und einem Zündholz bestand. Und die israelitischen jungen Leute pflegten einst, den Sitten des Landes gemäß, Äbte oder Kapitäne der Jugend zu wählen, die von den Jungvermählten um den Preis einiger kleinen Neckereien ein Tribut von Leckerbissen erhoben. Wenn unsere Juden Sehnsucht nach ihrem fernen Palästina hatten, dann stellten sie es sich nach dem Bild des wohlfeilen Orients der Jahrmarktsbuden in Beaucaire vor. Aber verdanken nichtihrerseits die Proven^alen den Juden Wahrsagerpraktiken und astrologischeAberglauben, die jene aus der Kabbala erbten, Amulette und Talismane, Geschichten von Engeln und Ziffern? Ein Kaffeesieder aus Carpentras erhielt vom Bischof im Jahre 1784 die Erlaubnis, Juden zu empfangen, die Erfrischungen zu sich nehmen oder erlaubte Spiele spielen wollten. Der Saal, der für die Juden bestimmt war, sollte den Christen unzugänglich sein, aber dieses Verbot, leicht genug zu umgehen, ließ den einen und den anderen zu verstohlenen Zusammenkünften Gelegenheiten offen. Wie viele heimliche Begegnungen zwischen christlichen Schmugglern und jüdischen Trödlern, die ihnen gegen Pfänder Geld liehen, zwischen israelitischen Wechslern und Edelleuten, die ihnen Kapitalien zum Verwalten anvertrauten, kann man im Geiste in solche Schenken verlegen?! In derselben Stadt betrachteten einander schalkhaft die Angehörigen der Synagoge und die der Kirche. Zweifellos, sie hatten einander gar nicht gern. Doch noch weniger liebten sie die Herren der Päpstlichkeit, denen oft der Comtat-Venessin wie eine Kolonie vorkam, wo es anging, sich so bald als möglich zu bereichern und so kurz als möglich da zu bleiben. Zwischen einem Rathaus, das zu drei Vierteln neu ist, und einer Platanenpromenade,

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