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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Purim in der comtadinischen Literatur
Date
1928-03-01
Page
Seite 142 (sequence 4)
Language
German
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142 MENORAH Synagoge in Cavaillon unter dem Lumpenpack des Ghetto angeworben hatte; auch Kinder, heimlich getauft, entführte man ihren Familien. Denn unsere Juden waren zu schwerhörig, um sich mit Musik oder durch die Beredsamkeit eines Kapuzinermönches zur Taufe bringen zu lassen. Große goldene Kreuze, mit allen Instrumenten der Passion beladen, haben einst den Eingang in das päpstliche Land kenntlich gemacht. Das war ein besonderer Winkel der Provence, wo die Italiener Spuren ihres Einflusses hinterließen, ein römisches Enklave, wo oft die Sitten milder waren, und das Leben noch freier, noch feuriger als sonst im Süden. Die päpstliche Regierung hatte nicht nur ein geistliches Interesse an dem Schutz der Juden; waren sie denn nicht zugleich Zeugen des Alten Testaments und Leibeigene, die man beliebig besteuern konnte? Die vier heiligen Gemeinden (Arba Kehilot von Avignon, Carpentras, Cavaillon und L'Isle-sur-Soignes) bildeten echte kleine Republiken, die von Beamten regiert wurden und rechtlich der päpstlichen Autorität untergeordnet waren. Die Juden des Comtat waren nicht immer so unglücklich, wie man es hat glauben lassen. In den Augen ihrer Brüder, die fast aus allen anderen Staaten verbannt, ihre Schande durch die großen Landstraßen Europas schleiften, galten sie immer als privilegiert. Weit davon entfernt, abseits vom Leben zu stehen, waren sie unter ihrem gelben Hut die Bankiers und Raritätenhändler, Ärzte und Astrologen des Landes. Die Verfügungen, die ihnen verboten, bei den Christen Ammen für ihre Kinder und Dienstmädchen für den Sabbat zu nehmen, waren oft nur toter Buchstabe. Man erschrickt beim Lesen aller Einpferchungsvorschriften, die ihnen soweit das Leben unmöglich machen sollten, daß sie sie des trinkbaren Wassers beraubten und sie an manchen Tagen daran hinderten, ihre Toten zu begraben, und man kennt nicht die stille Nachsicht, die so dehnbar sein konnte, wie die Schließe ihrer Geldbörse. Die Schranke des Ghetto war hier kein sehr ernstes Hindernis für die Beziehungen, und allerlei Austausch zwischen Juden und Christen. Die Grenze zwischen den beiden Folkloren ist ziemlich schlecht gezogen, und es besieht eine gemeinsame Lokalfarbe in beiden Volksliteraturen, die unter diesem südlichen Himmel gediehen, wo zugleich die Stimmen des Alten und des Neuen Testaments erhallten. Seit mehreren Jahrhunderten singen die comtadinischen Juden provencalisch am Osterabend die Had-Gadja, die Legende vom Zicklein, von der es schwer zu wissen ist, ob sie romanischen oder rein semitischen Ursprungs ist. Wie viele Gebräuche und Traditionen haben sie bei den Provengalen im Laufe einer Nachbarschaft von mehreren Jahrhunderten entlehntl Der

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