Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Dokumente zur Geschichte der Juden in Polen
Date
1928-03-01
Page
137 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2912821-2912879-2912883-2921668--06303-2921743
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DOKUMENTE ZUR GESCHICHTE DER JUDEN IN POLEN 137 8. WAHLPROGRAMM DES RABBINERS BÄR MEISELS IN KRAKAU IM JAHRE 1848 (Bnlaban: Die Juden in Galizien (poln.) Lemberg 1916, S. 172—173.) Verehrte Bürgerl Als Kandidat auf einen wichtigen Posten, um den ich mich heute bewerbe, nachdem mir euer Vertrauen schon des öfteren zu teil wurde, erachte ich es für meine Pflicht euch kurz klarzulegen, wie ich diese hohe Stellung auffasse. Euch, ihr Bürger, will ich im Reichsrath zu Kremsier vertreten, aber nicht nur als Glaubensgenosse einer Mehrzahl von Wählern, sondern als Deputierter der Nation im vollsten Sinne des Wortes. Vom Augenblicke an. in dem ich euere Stimmen erlange, werde ich nicht nur die Angelegenheiten meiner Glaubensgenossen, sondern gleichzeitig die Angelegenheiten der Allgemeinheit vor Augen haben und diese mit allen Mitteln nach bester Erkenntnis vertreten. Wie ich mir aber den Erfolg dieser Sache vorstelle, werde ich nunmehr in Kürze darthun. Auf Grund meiner eigenen Ueberzeugung und Erfahrung, anerkenne ich, dass die Zukunft unseres polnischen Vaterlandes nicht durch gesellschaftliche Auflösung sondern nur durch organische Arbeit gesichert werden könne und werde mich daher stets nur an jene Prinzipien und Menschen halten, die gleich mir, dahin streben. Ich begreife die Bedürfnisse der Menschheit in ihrer heutigen Gestaltung und bekenne mich daher ofTen zu den Ideen der Freiheit, bin für die Erweiterung der politischen Rechte und für die Anteilnahme aller Bürger an dieser Arbeit. Und so wie ich in meinem ganzen Leben, so werde ich auch im Reichsrath diese Satzungen mit allem mir zu geböte stehendem Muth und mit aller Ehrlichkeit verfechten. Diese Prinzipien halte ich für wahre Demokratie, die nichts niederreisst sondern alles baut und den neuen Bau durch wahre Liebe stärkt. Im Namen aller dieser Satzungen erstrebe ich das Mandat; die Mittel werden sich aus der Entwickelung der Dinge ergeben. Der heutige Tag — dieser Augenblick — sollte ich auch eine Niederlage erleiden — wird für mich stets eine teuere Erinnerung bleiben, denn ich erscheine vor euch, der Sohn eines bis nicht lange geknechteten Geschlechtes, als Kandidat für den höchsten Ehrenposten, den ein freier Bürger in einem freien Lande erstreben kann.*' 9. AUFRUF DER VFJITRAUENSMÄNNERKONFERENZ DER ZIONISTISCHEN PARTEI IN WARSCHAU AM VORTAGE DER BILDUNG DES POLNISCHEN STAATES (25. OKTOBER 1918) (Materjaly w sprawie zydowskiej port redakcja I Grünbauma Heft I. W irsc-hau 1919, S. 6 7) Als Zionisten und Staatsbürger begrüßen wir herzlich die Vereinigung und die Unabhängigkeit Polens, durch welche die hundertjährige Ungerechtigkeit weggestrichen und ein Verbrechen, das an einer lebenden Nation begangen worden, gutgemacht wird. Zur Mitarbeit an dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.