Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Kunst und Gemeinde
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 124 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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124 MENORAH schmackes. Aber in beiden Fällen war es Pflichtversäumnis. Denn die Repräsentanz der Wiener Juden ist nicht nur für den jüdischen Kult, sie ist auch für die jüdische Kultur verantwortlich. Und wo, wenn nicht hier, ist es um eine vitale Angelegenheit unserer Kultur gegangen! Es war die Pflicht jener verwaltenden Körperschaft, sich rechtzeitig und allseitig über den Stand der Dinge zu informieren, und hernach war es wiederum ihre Pflicht, sich nicht vom sogenannten Geschmack, das heißt vom beiläufigen Belieben in längst schon ausgetretenen Gleisen treiben zu lassen, sondern dem lebendigen jüdischen Geist in der Kunst unserer Zeit sein Recht auf Darstellung zu gewähren. Eine solche unvergleichlich günstige Gelegenheit hat sich vor einiger Zeit geboten, als man die Anlage des neuen Friedhofes ins Auge faßte. Ein rechter freier Wettbewerb hätte unsere besten Talente, die ohnedies nicht übermäßig beschäftigt sind, angeeifert, nicht nur mitzutun, sondern auch ihr Äußerstes herzugeben. Aber alles schien von vornherein darauf angelegt, sie von der Teilnahme abzuschrecken. Da war fürs erste die Ausschreibung, der man eine so veraltete oder geradezu verpönte Form gegeben hat, daß die übrigen aus Gründen des Anstandes nicht viele Architekten — und es waren nicht die schlechtesten — aus Standesgründen, mitgetan haben. Und da war eine Jury zusammengestellt worden, in der auch nicht ein prominenterjüdischer Künstler des Faches Platz gefunden hatte! Alle meine Versuche, noch in letzter Stunde das Unheil zu verhindern, sind an dem Vorurteil und der Gleichgültigkeit der Beteiligten gescheitert. Jetzt werden sie das Ergebnis, das nächstens hier sachlich, aber auch kritisch dargestellt werden soll, vor der Öffentlichkeit zu verantworten haben. Jylax Eis!er