Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Kunst und Gemeinde
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 121 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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KUNST UND GEMEINDE 121 Prof. Josef Frank / Haus in der Weißenhof siedhing — Werkbund- Ausstellung Stuttgart 1927 denken nur an jene spärlichen Gelegenheiten im Jahre, da die Massen den Raum aulsuchen. Aber auch diesen helfen sie dann nicht, sich zu besinnen und zu vertiefen, sondern sie reißen in eitler selbstgefälliger Weise die Aufmerksamkeit an sich. Sie wollen nicht den jüdischen Dienst, sie wollen das sensationelle Gepränge und, auch im besten Fall: die Zelebrierung . . . Dabei ist es geblieben. Durch ein volles Halbjahrhundert hat sich an diesem leeren, unwürdigen Zustand nichts Wesentliches geändert. Man sollte es nicht für möglich halten: seit dem Zeitalter der Ringstraße hat die Wiener Judenschaft Bewegungen sondergleichen durchgemacht, die Zahl ihrer Mitglieder hat sich vervielfacht,* die Wirtschaft und Gesellschaft der Stadt ist ohne sie nicht mehr zu denken, der jüdische Osten hat Ströme religiösen Lebens hergeführt, die nationale Idee hat hier eine Heimat gefunden — aber in der Baukunst, dieser Kunst der Lebensgestaltung, ist alles beim alten geblieben. Nach wie vor hält man oben und unten, nicht etwa beim Volk allein, sondern geradeso in führenden Kreisen, jenes kraft- und charakterlose Kauderwelsch für eine höchst repräsentable jüdische Sprache. Nun wird man meinen können, das liege an den Künstlern. Doch wer das meint, irrt. Vielleicht daß vor zwanzig und mehr Jahren keine