Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 116 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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116 MENORAH eine Offensive in Palästina geben, wann sie und durch wen sie unternommen werden wird . . ." Am selben Tage sandte ich einen Bericht an Dr. Weizmann: a) Frankreich hofft nicht, der alleinige Inhaber Palästinas zu werden. b) Interesse für den Zionismus hat die Regierung vorläufig nicht. Vor zwei Jahren, gerade zehn Jahre nach diesem Gespräch, erzählte ich davon einem französischen Senator. Er versteht und schätzt den Zionismus, gehört zu jener Kategorie von französischen Staatsmännern, die den Verlust Palästinas für Frankreich tief bedauern. Dabei ist er ein wichtiger Mann im Lande und war schon einige Male Minister. Er schüttelte traurig den Kopf. „Die ernsteste Krankheit eines Staatsmannes ist Mangel an Phantasie. Diese Art von Diplomaten aus der Zeit Pippin des Kurzen haben uns Jerusalem verspielt, weil sie nicht begreifen konnten, daß ein Traum, den Millionen träumen, schon allein eine Großmacht ist, ebenso stark wie Frankreich, England und Deutschland. . . Ich weiß jetzt, daß Delcasse später, nach der Gründung der jüdischen Legion und nach der Balfour-Deklaration, dem französischen Botschafter in London, Pierre Paul Cambon, eingestanden hat, daß er Reue empfinde über seine talleyrandische Haltung während jenes Interviews. Jetzt ist das ein Trost für mich: es ist angenehm zu wissen, daß nicht Du allein eine Niederlage erlitten hattest, sondern auch ein anderer, ein stärkerer als Du. Aber damals bedeutete jenes Gespräch eine große Enttäuschung. Einige günstige Eindrücke nahm ich aus Paris doch mit. Dr. Weizmann versprach mir seine Hilfe in meinen Bestrebungen hinsichtlich der Legion; und es kam eine Zeit, wro er sein Wort eingehalten hat. Der alte Baron Rothschild war begeistert, als er von dem „Zion-Mule-Corps" gehört hatte und sagte mir: „Sie müssen unbedingt sehen, den Anfang zu vergrößern, aus ihm eine starke Sache zu machen, bis die Zeit für eine Offensive in Palästina kommen wird!" Und obwohl in meinem Innern dabei die stille Frage auftauchte: „Warum ich? Warum nicht Du? Dir ist es doch leichter!" war ich ihm dennoch für ein aufmunterndes Wort dankbar. Sein Sohn James, damals noch Sergeant in der französischen Armee, der im Spital seines Vaters verwundet lag, erkundigte sich bei mir über das Legionsprojekt, halb zustimmend, halb ironisch, wie es eben seine Art ist. Später aber, in England, half er uns oft mit seinen weitverzweigten Verbindungen, schloß sich an das jüdi-