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Menorah · 1928-02-01 · Heft 2 (Februar 1928) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 2 (Februar 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-02-01
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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110 MENORAH Sokolow noch lange vor dem Kriege gehört habe. Nach dem Londoner Zionistenkongreß (1901) reiste Sokolow zur Erholung in einen schweizerischen Kurort. Er lernte dort einen englischen Lord kennen und erzählte ihm, woher er komme. O! sagte der Lord — ein zionistischer Kongreß? Das ist sehr interessant. Ich glaube, mein Bruder gehört auch dieser oder einer ähnlichen Bewegung an . . . Sokolow kam aus dem Staunen nicht heraus. Der Lord war Katholik. Sein Bruder wahrscheinlich — dasselbe. ..Wie kam Ihr Herr Hrüder zum Zionismus?" begann er ihn auszufragen, und es stellte sich heraus, daß der Bruder des Lords — ein Vegetarier war. Für den Lord war die zionistische Bewegung im Jahre 1901 dasselbe, oder zumindest ,,eine ähnliche Bewegung". Und als solche galt sie auch in den Jahren 1914 und 1915 bei den europäischen Staatsmännern. In Italien, in Frankreich, oft sogar in England erhielt ich wiederholt denselben Eindruck: der Zionismus als solcher existiert für sie nicht, nur der Legionsgedanke ist imstande, den Zionismus in der Kriegszeit aktuell" zu machen. Wenn Du mit einem Menschen über den Zionismus zu sprechen beginnst, dann sieht er Dich mit höflicher Verwunderung an: er habe zwar gehört, es gebe eine solche Bewegung, er habe mit ihr sogar sympathisiert, ebenso sympathisiert wie etwa mit dem Vegetarismus oder der Frauenrechtlerbewegung. Aber wie kann man während eines solchen Krieges davon reden? Erinnerst Du ihn jedoch an das Legionsprojekt, dann ändert sich sein Gesichtsausdruck, und damit hast Du ihn gewonnen. Ganz kurz werde ich die Geschichte meiner Niederlagen erzählen, aber vorerst kommt ein Abschnitt, der für mich keine Niederlage war, sondern Freude und Ermunterung — nämlich meine Begegnung mit Pinchas Rutenberg in Brindisi. Pinchas Rutenberg traf ich in einem Hotel in Brindisi, ich hatte ihn vorher weder gekannt, noch gesehen. Ein hoher, breitschulteriger, starkgebauter Mann. Jede Bewegung und jedes Wort vermittelte den Eindruck großer Willenskraft; ich habe ihn in Verdacht, daß er das weiß und darauf achtel, daß andere es, behüte, nicht vergessen. Und vielleicht hat er recht, weil ein Mann der Öffentlichkeit sozusagen immer auf der Bühne steht und seine Maske nicht abnehmen darf. Ich meine beileibe nicht eine falsche Maske, sondern eine Maske, die tatsächlich die Quintessenz seiner Natur bedeutet. Immerhin eine Maske. Aber keine Maske kann die Tatsache verdecken, daß ein Mensch gutmütige Augen und ein kindliches Lächeln besitzt. Ich begreife es,

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