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Menorah · 1928-02-01 · Heft 2 (Februar 1928) · p. Seite 104

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 2 (Februar 1928)
Article
Ausländer über polnische Juden im XVIII. Jahrhundert
Date
1928-02-01
Page
Seite 104 (sequence 5)
Language
German
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104 MENORAH können. Wie meine Leute hernach sagten, so hatten sich alle Kinder Israels in einen schmutzigen Euhstall geflüchtet, woselbst sie wie Heringe übereinander gelegen. Dies ist keine mineralogische Anekdote; allein ich wünschte, Sie wären Zuschauer gewesen, Sie würden über Macht haben lachen müssen, ich hatte selbst äusserst Noth, das Lachen zu verbeissen, dafür genoss ich aber Ruh und hatte Zeit, Ihnen gegenwärtigen Brief zu schreiben, welches sonst würde unmöglich gewesen seyn." Der von Garosi's Reisen erschienene erste Teil hatte wegen seiner nicht besonders freundlichen Darstellung der Judenverhältnisse in Polen, bei vielen seiner Freunde und Leser Unzufriedenheit hervorgerufen. Man machte ihm auch Vorwürfe, daß er den Juden gegenüber eine Intoleranz an den Tag lege. Die Vorwürfe scheinen wohl ziemlich groß gewesen zu sein, da sich Garosi veranlaßt sah, in der Vorrede zum zweiten Band eine Art Entschuldigung vorzubringen, in der er folgendes erklärt: „Ich habe mich noch von einem mir gemachten Vorwurf zu reinigen, er trifft die inländischen Juden. Einige auswärtige Freunde haben geglaubt bey mir zu wenig Duldung gegen die Nation bemerkt zu haben und dem Schein nach, konnten sie recht haben. Allein ich hab ja nicht alle Juden in der ganzen Welt angegriffen, meine Klagen treffen nur die unsrigen und wer an ihrer Richtigkeit zweifelt, der mag sie, so wie ich kennen lernen, dan wollen wir sahen, ob ich zuviel sagte." (Vorrede^* zum II. Teil, erschienen in Leipzig 1884.) Carosi hatte auch im II. Teil trotz dieser Vorwürfe seine Juden- Schilderung im selben Geiste gehalten, wie vorhin. IL Teil, S. 4. Piaseczno, 14. Mai 1779: „Es giebt zwar ziemlich viel Juden hier: keiner ist aber so viel ich weiss ansässig, sondern sie haben theils die sogenannte Propination gepachtet, theils treiben sie ihren gewöhnlichen Schacher." S. 13: „Ausser den Christen giebts in Nowemiasto auch ziemlich viel Juden, sie haben ihre eignen Häuser, welche vom Markt westwärts, zwey Gassen neben einander und also gleichsam eine eigene Stadt ausmachen. Dass diese Wohnungen die schlechtesten von allen sind, darf man wohl nicht erst erinnern. Auch hier hat dieses Volk fast alle bürgerliche Nahrung an sich gerissen, ist aber dabey immer arm." & 26. Drzewica: „Ein Posamentierer kauft Juden seine Materialien ab." S. 29. Gelniow: „Untern Einwohnern dieses Orts sind welche, die Wetzsteine bereiten, von diesen nehmen sie die Juden ab und verfahren sie weiter ins Land." S. 39. Gowarczow (Städtchen): „Es wohnen hier ziemlich viel Juden." S. AI. Konskie: „Die Häuser in den übrigen Nebengassen sind von Holz; darunter haben die Juden eine der größten ganz allein für sich. Die Juden machen ein Viertel der Bevölkerung (die 4—5.000 Seelen zählt) aus." (Schluß folgt.)

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