Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Zwischen dem Teufel und dem Roten Meer
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 67 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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UMSCHAU 67 Zwischen dem Teufel und dem Roten Meer Fahrten und Abenteuer in Westarabien Von Wolfgang von Weisl Vorlag F. A. Brockhaus, Leipzig C.x „Arabia Felix", phantastischer Traum von ritterlichen Beduinenslämmen, Nomadenleben in Wüste, und Oasen, von reichen Städten mit Überresten einer hohen Kultur, Wiege und noch heute Zentrum des Islam, all die Fülle romantischer Vorstellungen und Erinnerungen an Geschichtsunterricht deckt dieser Name. Gering aber ist das Wissen von den politischen Bedingungen, die heute das Schicksal von Arabiens Bevölkerung entscheiden, von der weltpolitischen Bedeutung, die seit dem Weltkriege die Halbinsel für die Politik der europäischen Großmächte gewonnen hat. Wolfgang von Weisl gebt in seinem Buche nicht die Wege der Arabienforscher des vergangenen Jahrhunderls. Ihn interessiert das moderne Arabien, dort, wo die Politik der arabischen Fürslenhöfe mit der Diplomatie europäischer Großmächte sich berührt, wo die Zivilisation des 20. Jahrhunderts auf arabisch-islamitischen Kulturboden ihre absonderlichen Blüten treibt. Weisl ist einer der ersten Mitteleuropäer, der auf Grund eigener Beobachtungen die Schicksale Arabiens in und nach dem Kriege uns vermittelt. Er läßt König Hussein, den Exherrscher des Hedjas, erzählen, wie England die Araber zum Aufstand gegen die Türken gewann und wie seine Herrlichkeil durch den großen Gegenspieler Ihn Sa'ud gestürzt wurde. Auch ihn besucht Weisl und erzählt von dem grandiosen Aufstieg dieses Fürsten, seinen reformalorischen Bestrebungen und der sittlich-starken Wahhabilenbewegung. Der Besuch an den Höfen von Yemen und Asir bringt wichtiges Material über manche politische Aktion" der letzten Zeit, über die Bewohner des Landes und die Möglichkeiten eines wirtschaftlichen Aufstieges. Dies Erlebnisbuch voller Abenteuer auf weltgeschichtlichem. Hintergrund bildet ein wichtiges Dokument zur Expansionspolitik der Ententemächte. Es ist mit plastischer Darslellungskraft geschrieben, mit jener Beigabe liebenswürdigen Humors, die die Beliebtheit des Autors an arabischen Fürstenhöfen seinen Lesern begreiflich macht. Auf seiner Rückreise, die Weisl in arabischer Tracht und seine Lebensgewohnheiten der arabischen Umgebung anpassend, auf einem kleinen Segler — als einziger Europäer — zurücklegt, erlebt er „Zwischen dem Teufel und dem Roten Meer" ein Abenteuer, das so recht den Einblick in die Psyche des arabischen „Mannes aus dem Volke" gewährt. Weisl hat sich auf der bereits mehrere Tage währenden Reise an den regelmäßigen Gebelen der mohammedanischen Schiffsmannschaft nicht beteiligt, wodurch er sich dem lebensbedrohenden Haß gegen den „Ungläubigen" aussetzt:. . . Nachtgebet. Ich habe wieder nicht mitgehalten. Die Matrosen schimpfen schon ganz laut. Der Kapitän redet über den Erfahrungssatz, daß Allahs Zorn Ungläubige, die nicht beten, verschlingt. Der weißhaarige Neger Saleh, der Lotse, der einzige, der schon die Fahrt nach Djidda gemacht hat, fragt, ob man nicht das Boot der Gefahr einer Strafe von Allah aussetze, wenn darauf Ungläubige seien. Ich fühle mich äußerst ungemütlich und beschließe, vorsichtshalber nicht zu schlafen. Ich setze mich auf meinem Lager zurecht, wickle mich in den Mantel, lege den Säbel neben mich. Sicher ist sicher. Um mich wach zu halten, singe ich die ganze Nacht hindurch: ,,Kommt ein Vogerl geflogen." — „Ich weiß auf der Wieden ein kleines Hotel." — Bei Sonnenaufgang schließe ich mit „Die bange Nacht ist nun herum" und lege mich schlafen. Unter hedjasischer Sonne schläft man nicht so tief, daß man nicht jederzeit auf den Beinen wäre. Vormittags Windstille. Zum Frühstück halle ich nichts zu essen bekommen, mittags „vergaß" man mich abermals. Nachmittags, gegen ein Uhr, hebt sich endlich günstiger Wind; um halb fünf erscheinen von Ferne die weißen Häuser von Qunfuda, schlanke Palmensilhouellen. Der Wind ist prächtig. Aber wir gehen schon wieder vor Anker; knapp nach vier Stunden Fahrt bei herrlichstem Südwind. In dem Tempo kommen wir niemals nach Djidda. Ich schlage Lärm. Der Kapitän antwortet grob, wenn es mir nicht passe, könne ich aussteigen; er sei kein Narr, bei Nacht zu fahren. Überall gäbe es Riffe. Es wird Abend, Nacht. Ich bekomme nichts zu essen, der Koch „vergißt", die Erbsen, die ich ihm gab, zuzubereiten. Ich schimpfe. Der Schiffsjunge bringt mir daraufhin ein Stück frischgebackenen Durrahbroles, aber nicht wie sonst auf dem Strohfeuer, sondern in der Hand, wirft es auf mein Lager. Der Kapitän erörtert neuerlich, in sehr lautem Tone, die Frage, ob es etwas gäbe, was verdienstvoller sei, als Ungläubige auszurotten. Ich habe nämlich wieder nicht gebetet.