Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Die Königin von Saba
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE KÖNIGIN VON SABA 59 ein Fricdensgcschenk aus Gold, Edelsteinen, Gummiarlen und schwarzen Sklaven überbrachte. Salomo aber behandellc die Bolen ziemlich geringschätzig und dies bewog die Königin, selbst nach Jerusalem zu reisen. Drei Monate und noch länger soll die Reise gedauert haben, sie führte über den Karawanenweg längs der arabischen Küste des Roten Meeres bis zur Sinai-Halbinsel über eine Entfernung von 1400 Meilen. Ein ungeheures Gefolge begleitete die Herrscherin, 800 Kamele, unzählige Esel trugen Lasten an Gold, Edelsteinen, Spezercicn und Gummi. Salomo war von der Königin entzückt und fand ihre Schönheit ungemein anziehend, sie wieder schwärmte von seinen Geislesgabcn und seiner männlichen Schönheit. Der König von Israel widmete seinem schönen Gaste viel Zeit und erzählte von den Wundern der großen Welt, von der die Königin wenig wußte, bis beide eines Tages merkten, daß sie bis über die Ohren ineinander verliebt waren. Der König machte ihr einen Heiratsanlrag und ihr winkle die berückende Aussieht, siebenhundert Frauen und dreihundert Konkubinen auszustechen und den Mann, den sie liebte, sich zu verbinden. Der schöne Traum der Sabäerin wurde zu kurzer Wirklichkeit, als sie eines Nachts auf der Suche nach einem Glase Wasser in das Schlafgcmach des Königs kam. Dieses Abenteuer soll sich der Überlieferung gemäß also zugetragen haben: Eines Abends lud Salomo die Königin zum Mahle. Zehn Gänge scharf gesalzener Speisen folgten aufeinander. Alsbald ordnete der König an, daß alle Wasserbehälter ihres Inhaltes entleert würden, nur ein Krug Wasser sollte in der Nähe seiner Lagerstatt verbleiben. In der Nacht litt die Königin quälenden Durst. Einen Raum nach dem anderen durchwanderte sie auf der Suche nach einem Schluck Wasser und fand schließlich den Wasserkrug im Schlafgemach Salomos. Einige Wochen später war die Liebesglut verraucht und die Königin kehrte in ihre Heimat zurück, Salomos Ring am Finger und Die Königin von Saba (hier ah Nubierin), dem König Salomo Geschenke darbringend Emailaltar in Klostcrncuburg bei Wien slus Theodor Ehrenstein: Das alte Testament im Bilde Verlag Ulbert Kende, Wien mit Schätzen reich beschenkt. Sie wurde Mutter eines schönen Knaben, den sie David und Memjelek nannte; sie gab ihm den Kosenamen Bayna Lchkum (Sohn des weißen Mannes). Als der Knabe zum Manne herangereift war, erzählte sie ihm das Geheimnis seiner Abstammung. David beschloß sofort nach Judäa zu wandern, um seinen Vater kennenzulernen. Die Königin gab ihm ein Schreiben und den Ring Salomos mit, damit er seine Abkunft erweisen könne. Doch diese Vorsicht war unnötig. In den Straßen Jerusalems erkannte man sofort den Königssohn, so sehr war er das Ebenbild seines edlen Vaters. Bis hieb er klingt die äthiopische Überlieferung ziemlich glaubhaft und ist vielleicht auch historisch zu werten, obwohl es keine authentische Bestätigung gibt. Was weiter folgt, soll offenbar der Glorifizierung des Herrscherhauses Abessiniens dienen. Die Königin und ihr Volk hallen bisher Sonne, Mond und Sterne als göttliche Wesen